Magdalena Schneider, Marlen Schachinger-Pusiol, Petra Hauk, Antonia Rahofer (v. li.)
Das Festival „Sternlesen“ macht anlässlich des Welttags des Buches am 23. April auf die Bedeutung des Lesens aufmerksam. Ausgewählte Autor:innen starten in ihren Bundesländern und lesen an verschiedenen Stationen in Österreich, darunter verschiedene öffentliche Büchereien. Dabei werden Bücher an das Publikum verschenkt und weitergegeben. Höhepunkt ist ein gemeinsamer Lese-Flashmob mit einer Abschlusslesung im Musil Haus in Klagenfurt.
Sternlesen und die Büchereien
Magdalena Schneider, die Leiterin der Hauptbücherei Wien, begrüßte die Anwesenden und führte als Moderatorin durch die Veranstaltung.
Petra Hauk, Vorstandsmitglied des BVÖ und Leiterin der Stadtbücherei Eggenburg, sprach für die öffentlichen Bibliotheken und erläuterte die Unterstützung des Projekts: „Für den Büchereiverband Österreichs ist diese Kooperation eine Herzensangelegenheit. ‚Sternlesen‘ ist weit mehr als eine charmante Kulturaktion – es ist ein wichtiges Gegengewicht in einer Zeit, die der französische Soziologe Philippe Corcuff als Ära des ‚Konfusionismus‘ bezeichnet. Er beschreibt eine Welt der systematischen Verwirrung, in der eine schlechte Nachricht die nächste jagt. Genau da bieten unsere öffentlichen Büchereien ein Gegengewicht, eine Verankerung in der Realität.“
Hauk betonte die Bedeutung der Literatur als „Medizin für Kopf und Herz“ und hob positive Nebenwirkungen wie Stressreduktion, Gehirntraining und Schulung von Empathie hervor.
„Das Buch ist kein verstaubtes Relikt, sondern eine Überlebensstrategie – für den Einzelnen und für eine demokratische Gesellschaft. Sternlesen schenkt uns Momente, in denen wir uns lebendig fühlen, weil wir gemeinsam lesen, zuhören und reflektieren. Es ist eine Einladung zur Entschleunigung, emotionalen Verarbeitung und geistigen Fitness.“
Leseförderung als Programm
Anschließend begrüßte Antonia Rahofer vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS), Sektion IV – Kunst und Kultur, Abteilung IV/A/5 – Literatur und Verlagswesen, Büchereien, die Anwesenden. Sie beleuchtete die vielfältigen Funktionen des Lesens und unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung öffentlicher Bibliotheken. Aktivitäten wie Lesezirkel, Veranstaltungen und Austausch in Büchereien würden die Teilhabe und den sozialen Zusammenhalt stärken.
„Leseförderungsprogramme zu intensivieren, ist ein Teil unseres Regierungsprogramms und die Kooperation zwischen dem BVÖ und Sternlesen steht beispielhaft für einen Beitrag zur Leseförderung“, so Rahofer.
Funktionaler Analphabetismus
Danach hielt Angelika Hrubesch vom Lernraum Wien der VHS einen Impulsvortrag über den Anstieg des funktionalen Analphabetismus in Österreich. Sie erläuterte die Ergebnisse der PIAAC-Studie, nach der 29 Prozent der Erwachsenen über eine geringe Lesekompetenz verfügen. Hrubesch stellte einen Zusammenhang zwischen der sinkenden Lesekompetenz vor allem älterer Personen und den steigenden Leseanforderungen durch die Digitalisierung her.
Sie plädierte für einen Perspektivwechsel: Statt eines defizitorientierten Blicks sollen die Lebensrealitäten und Potenziale der betroffenen Menschen in den Mittelpunkt rücken. Es sei essenziell, Barrieren zu verringern, Teilhabe zu ermöglichen und Bildungsangebote zu schaffen – und dabei die Freude am Lesen zu fördern. „Menschen mit geringer Literalität können durchaus lesen, nur nicht so schnell oder gewandt wie andere.“
Lesen und Bildung
Anschließend sprach der Autor Ludwig Laher über die Faszination des Lesens und übte Kritik am Bildungssystem. „Lesen glückt erst, wenn man versteht“, betonte er. Digitale Technologien würden hingegen oft eine oberflächliche Nutzung statt eines nachhaltigen Erkenntnisgewinns fördern. Laher kritisierte zudem, dass Lehrpläne in der Schule die Freude am Lesen zu wenig berücksichtigen.
Literatur am Podium
Nach den Begrüßungen und Kurzvorträgen folgte ein Pressegespräch mit den Autor:innen auf dem Podium. Marlen Schachinger-Pusiol vom INK NÖ zeichnete die Entstehungsgeschichte des Festivals „Sternlesen“ nach. Ziel der Aktion ist es, Literatur erlebbar zu machen und auf die Bedeutung von Lesekompetenz aufmerksam zu machen. Sie stellte die Lese-Botschafter:innen für das Jahr 2026 vor. Die Autor:innen Irene Diwiak, Monika Krautgartner, Anna Ladurner, Elisabeth Lexer, Tina Strohmaier, Regina Klein und Markus Schupp sowie Marlen Schachinger-Pusiol selbst trugen persönlich Kurztexte vor. Schließlich berichteten die bisherigen Teilnehmer:innen Corinna Antelmann, Silvia Hlavin und Stefan Reiser von ihren Erfahrungen.
Alle Termine finden Sie hier: Sternlesen 2026