Vor zwei Jahren war hier der Büchereientwicklungsplan des Bundes samt neuer Fördermittel zur Umsetzung präsentiert worden. Anfang Juni fand sich die Bibliotheksszene erneut zur Tagung des BVÖ im Kardinal König Haus in Wien ein, um auf den bisherigen Weg zurückzublicken und neue Ziele anzuvisieren.
„Bibliotheken sind für alle da“, verkündete die Moderatorin Magdalena Schneider, die Leiterin der Hauptbücherei Wien – etwas, das Bibliothekar:innen wissen, aber noch verstärkt in die Öffentlichkeit tragen können.
„Wir haben viel geschafft in den vergangenen zwei Jahren“, berichtete Marie Therese Stampfl, die Vorstandsvorsitzende des BVÖ. Sie erwähnte die laufende Umsetzung des Büchereientwicklungsplans, die jüngsten Rekordzahlen der Bibliotheksnutzung in Österreich und sprach ihren Dank an die Bibliothekar:innen des Landes aus – insbesondere an die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen als tragende Säule des Bibliothekswesens.
Analoges und Digitales
Der einleitende Impulsvortrag kam von Reinhard Ehgartner, dem Leiter der Bücherei Michaelbeuern und ehemaligen Leiter des Österreichischen Bibliothekswerks. Er spannte einen Bogen von der labyrinthischen Bibliothek in Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bis hin zur heutigen Vision der „Bibliothek für alle“.
Nach dieser Wanderung durch den Literaturraum Bibliothek richtete die Keynote von Dana Wingensiefen-Wosel von der Stadtbücherei Düsseldorf den Fokus auf das digitale Zeitalter. Sie lotete die Stärken und Schwächen von Künstlicher Intelligenz (KI) aus, veranschaulichte Arbeitsfelder der Büchereien in diesem Bereich und folgerte: Bibliotheken können und sollen die Zukunft der KI mitgestalten.
Im Anschluss an die Vorträge fanden Workshops statt. Das große Thema KI wurde gemeinsam mit Expert:innen in Gruppen behandelt, wobei die Teilnehmer:innen ihre Nutzung von KI reflektierten und Überlegungen für die Bibliothek 2030 anstellten. Die Workshops bildeten den Auftakt für eine Arbeitsgruppe und ein mehrstufiges Projekt.
Parallel dazu boten Workshops Einblick in eine gleichermaßen konzentrierte wie entschleunigende Shared-Reading-Session. Dabei wird ein Text gemeinsam laut gelesen und besprochen – mit der zentralen Frage: Was macht Literatur mit mir?
Weitere Workshops stellten Beratungsleistungen des BVÖ im Bereich Öffentlichkeitsarbeit vor. Bruno Bauer und Jennifer Göller zeigten ausgehend von Praxisbeispielen der Teilnehmer:innen Wege auf, wie sich Bibliotheken sichtbarer machen können. Anhand von Beispielen wurden Stärken und Schwächen von analogen und digitalen Medien, aber auch von Raumgestaltung, Leitsystemen und Kommunikation im öffentlichen Raum angesprochen.
Kooperationen und Diskussionen
Begleitet wurde das Programm von den Präsentationen der Firmen und Kooperationspartner. Bibliothekar:innen konnten sich etwa beim OeAD über Citizen Science und Erasmus+ informieren.
Darüber hinaus wurde die neue Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek von Generaldirektorin Michaela Mayr und Ursula Liebmann vorgestellt. Ziel ist es, Bibliothekar:innen gemeinsam für die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Im Rahmenprogramm der Tagung wurde eine Führung durch die ÖNB angeboten.
Den Abschluss des reichhaltigen Tages bildete das Format „Im Dialog“ mit der Journalistin Renata Schmidtkunz. Sie diskutierte mit dem Autor Michal Hvorecky und der Juristin Christiane Wendehorst die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung. Thema waren die Hoffnungen, die einst mit dem Internet verbunden waren, sowie aktuelle Gefahren durch Manipulation, Hetze und Datenunsicherheit. Hvorecky rief zu mehr Begegnungen in der Offline-Welt auf und betonte dabei die Bedeutung der Bibliotheken. Wendehorst empfahl die Schulung des kritischen Denkens. Sie verlas die zehn Regeln der Future Foundation für die digitale Welt, die auch sinnvolle Richtlinien für Bibliotheken darstellen. Der Abend klang mit Brot, Wein und guten Gesprächen aus.
Generalversammlung und Büchereientwicklungsplan
Der zweite Tag startete mit der 43. Generalversammlung des BVÖ. Marie Therese Stampfl bot einen Rückblick auf zwei intensive Jahre mit personellen Änderungen und erfolgreicher Arbeit. Im Zentrum standen neben der Umsetzung des Büchereientwicklungsplans die Sichtbarkeit von BVÖ und Büchereien sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsstelle. Stampfl betonte die Bedeutung der Vernetzung mit den wissenschaftlichen Bibliotheken und anderen Gremien.
Darauf folgte der Bericht der Geschäftsführerin Ursula Liebmann, die einen Überblick über die umfangreichen Aktivitäten des BVÖ gab und den Mehrwert von Kooperationen hervorhob. Nach den Berichten der Kassierin und der Rechnungsprüfung wurde der Vorstand entlastet und mit dem Ende der Generalversammlung war die Wahl des neuen Vorstands abgeschlossen.
In Anlehnung an das Tagungsmotto stellte eine Arbeitsgruppe des BVÖ die Evaluierung des Büchereientwicklungsplans vor. Die Mitglieder berichteten von positiven Trends und entwarfen eine Vision der Bücherei der Zukunft, die einen Anker in herausfordernden Zeiten darstellt. Die Vertreter:innen des BVÖ freuten sich besonders, bei diesem Programmpunkt Antonia Rahofer vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport zu begrüßen.
Zudem wurde das österreichische Länderprofil für die „IFLA Library Map of the World“ vorgestellt.
Vielfalt der Büchereien
Schließlich wurden die bisherige „Büchereien des Jahres“ auf die Bühne gebeten. Bibliothekar:innen aus Bad Zell, Dornbirn, Graz, Kraubath, Linz, Pottendorf und Retz präsentierten sich und erzählten in einer Diskussionsrunde mit Monika Aistleitner, wie die Auszeichnung ihre Arbeit geprägt hat. Sie ermutigten andere Büchereien, sich für den Österreichischen Büchereipreis zu bewerben.
Die Projektpräsentation zeigte die Vielfalt österreichischer Bibliotheken. Zehn Bibliotheken stellten ihre Initiativen vor. Als Höhepunkt wurden fünf Publikumspreise – Sachpreise der Ausstellerfirmen – verliehen: Die meisten Stimmen erzielte die Bibliothek Schwertberg mit ihren Naturprojekten. Weitere Preise gingen an die Bücherei Birkfeld, die Hörbücherei des BSVÖ, die Hauptbücherei Wien und die Erlesene Bücherei Pottendorf.
Austausch und Beteiligung, Literatur und KI, Auseinandersetzung mit den Fragen der Zeit: Die beiden Tage waren ein lebendiger Beweis für das Engagement, die Vielfalt und die Relevanz der öffentlichen Bibliotheken.