Der Büchereiverband Österreichs (BVÖ) lud am 2. und 3. Juni 2026 zur Fachtagung „Die Bibliothek für alle“ ins Kardinal König Haus in Wien. Im Fokus standen eine Bilanz des nationalen Büchereientwicklungsplans, die Rolle der öffentlichen Bibliotheken im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sowie die Generalversammlung mit der Neuwahl des BVÖ-Vorstands.
Büchereientwicklungsplan des Bundes
Zwei Jahre nach der Vorstellung des Büchereientwicklungsplans des Bundes zog der BVÖ eine positive Zwischenbilanz. Im Rahmen der Tagung präsentierten die Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Evaluierung des Büchereientwicklungsplans ihre Ergebnisse. Die Veranstaltung betonte die bedeutende Rolle der öffentlichen Bibliotheken als unverzichtbare Zentren für Medien- und Informationskompetenz sowie für soziale Interaktion in ganz Österreich. Als Vertreterin des Bundes besuchte Antonia Rahofer (Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport – Abt. IV/A/5 Literatur, Verlagswesen und Büchereien) die Tagung.
KI: Bibliotheken im Zentrum der Transformation
Ein Schwerpunkt widmete sich dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Bibliotheken. In ihrer Keynote zeigte Dana Wingensiefen-Wosel (Stadtbücherei Düsseldorf), dass KI längst mehr als ein technologischer Trend ist und grundlegend in das tägliche Leben eingreift. Bibliotheken stehen dabei im Zentrum dieser Transformation: als verlässliche Orte der Informationskompetenz, Transparenz, digitalen Teilhabe und Demokratie. Wingensiefen-Wosel beleuchtete, wie Bibliotheken ihre Rolle im digitalen Wandel strategisch und praktisch gestalten können. Anhand aktueller Beispiele aus den Stadtbüchereien Düsseldorf – von KI-gestützter Inhaltserschließung über Chatbots bis hin zur Suche nach vertrauenswürdigen Kooperationspartner:innen – zeigte sie, wie KI die bibliothekarische Arbeit ergänzt, zugleich aber Herausforderungen in Bereichen wie Ethik und Datenschutz schafft. Sie plädierte dafür, dass Bibliotheken ihre Kräfte für gemeinsame Standards bündeln: „Ziel ist es, Perspektiven für eine zukunftsfähige, menschenzentrierte Bibliotheksarbeit im Zeitalter der KI zu eröffnen.“
Workshops als strategischer Startschuss
In stark besuchten Workshops mit knapp 100 Teilnehmer:innen wurde das Thema KI praxisnah bearbeitet. „Eine neue Arbeitsgruppe wird die Ergebnisse nun zusammenfassen. Durch die Erasmus+-Akkreditierung des BVÖ können Mitglieder dieser Arbeitsgruppe in europäische Vorreiterländer reisen, um Best-Practice-Beispiele im Bereich Medien- und Informationskompetenz zu sammeln“, so BVÖ-Geschäftsführerin Ursula Liebmann. Auf dieser Basis und mit diesen neuen Erkenntnissen sollen Pilotbibliotheken auf ihrem Weg zu Kompetenzzentren aktiv begleitet werden. Nach der Publikation der Erkenntnisse ist ein österreichweiter Rollout geplant.
Neues Dialogformat
Ein besonderes Augenmerk wurde auf die gesellschaftliche Relevanz der öffentlichen Bibliotheken als Orte des Miteinanders gelegt. Das Abendprogramm umfasste die Dialogveranstaltung „Im Dialog“ mit der Journalistin und Regisseurin Renata Schmidtkunz. Zu Gast waren die Juristin und Professorin für Zivilrecht Christiane Wendehorst, stellvertretende Institutsvorständin am Institut für Digitalisierung und Recht, sowie der Schriftsteller Michal Hvorecky. Nach dieser Premiere ist eine österreichweite Etablierung des Formats in öffentlichen Bibliotheken vorgesehen.
ÖNB-Kooperation in der Aus- und Fortbildung
Die fundierte Aus- und Fortbildung bildet ein zentrales Anliegen des BVÖ. Als Meilenstein in diesem Bereich gab die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek Michaela Mayr eine neue strategische Partnerschaft mit dem BVÖ bekannt. Wie bereits in der Pressemeldung der ÖNB ausgeführt, werden die Institutionen künftig ihre Kräfte vereinen. Diese Synergie soll dazu beitragen, die bibliothekarische Professionalisierung voranzutreiben und den Wissenszugang auf ein neues Niveau zu heben.
Neben weiteren Fachvorträgen und Workshops (unter anderem zu „Shared Reading“) bot die Tagung den „Büchereien des Jahres“ 2025 und 2026 eine Bühne: Die prämierten Bibliotheken berichteten von den positiven Entwicklungen in ihrer Arbeit und in der öffentlichen Wahrnehmung. Zudem wurde das neue österreichische Länderprofil für das „IFLA Country Profile“-Projekt vorgestellt. Den feierlichen Abschluss bildete die Verleihung des Publikumspreises an herausragende Bibliotheksprojekte.
Generalversammlung: Vorstandswahlen und positive Bilanz
Bei der Generalversammlung am 3. Juni wurden Vorstandswahlen durchgeführt und eine positive Bilanz verzeichnet. Marie Therese Stampfl wurde mit 99,9 Prozent erneut zur Vorsitzenden gewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Andrea Mensdorff-Pouilly (Bibliothek am Campus Laxenburg), Astrid Schwarz (Stadtbibliothek Purkersdorf) und Birgitta Ebner (Büchereien Wien). Marie Therese Stampfl zog ein hochmotiviertes Fazit: „Wir hatten einen großartigen Start mit der Umsetzung des Büchereientwicklungsplans. Zudem haben wir mit der Verleihung der Preise für die Büchereien des Jahres ein Tool für mehr Sichtbarkeit geschaffen – und das ist auch weiterhin ein Ziel unserer Arbeit.“
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Dr. Simone Kremsberger (BVÖ)
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