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Einführung

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27.02.2017
Lehrgang 127/2 (bes. geeignet f. TN d. Reg. Einf.)

Was ist eine Systematik?

Unter einer Systematik versteht man eine Einteilung von Dingen oder Begriffen, die durch gemeinsame Merkmale verbunden sind, in Klassen und Teilklassen. Bekannte Systematiken sind z.B. die biologische Systematik ("Systema naturae", Carl von Linné) und die Klassifikation der Krankheiten (ICD). In der "Enzyklopädie" (1750) von Denis Diderot und Jean d'Alembert wird das gesamte Wissen in Form eines Stammbaums dargestellt.

In Bibliotheken werden Systematiken verwendet, um die Medienbestände übersichtlich und sinnvoll gliedern zu können und damit die Benutzung der Bibliothek zu erleichtern. Die Systematik dient also der erfolgreichen Bestandsvermittlung, denn sie trägt dazu bei, dass die Inhalte einer Bibliothek von den Nutzern gezielt und möglichst selbständig aufgefunden werden können.

Charakterisierung der ÖSÖB

Öffentliche Bibliotheken sammeln Bestände aus allen Wissensgebieten. Die ÖSÖB ist daher eine universale Wissenssystematik, d.h. eine Schema, in dem alle Bereiche des Wissens in eine logische und zusammenhängende Ordnung gebracht werden.
Formal handelt es sich um eine hierarchische Ordnung, die vom Allgemeinen zum Besonderen fortschreitet. Die allgemeinste und daher oberste Gliederungsebene der ÖSÖB wird durch folgende Gruppen gebildet:

Hauptgruppen der ÖSÖB

A. Allgemeines
B. Biographisches
D. Belletristik
E. Reisen, regionale Geographie, Landeskunde
F. Fremdsprachige Schriften
G. Geschichte. Gesellschaft. Politik. Medien. Recht. Wirtschaft
J. Kinder- und Jugendmedien
K. Kunst. Musik. Theater. Tanz. Film
N. Naturwissenschaften. Mathematik. Medizin. Technik. Landwirtschaft
P. Buch-, Bibliotheks-, Dokumentations- und Informationswesen. Philosophie. Sprache. Literatur. Pädagogik. Psychologie. Religion
S. Spiele
T. CDs, CD-Roms, DVDs, DVD-Roms, E-Medien, Konsolenspiele
V. Freizeit, Hobbies, Spiele. Haushalt, Kochen, Wohnen. Sport
W. Internetressourcen
Z. Zeitschriften

Diese 15 Hauptgruppen werden bis zu einer Gliederungstiefe von fünf Buchstaben weiter unterteilt, wobei folgende Kriterien ausschlaggebend sind:

  • Sachliche Kriterien (Einteilung in Sachbereiche)
  • Formale Kriterien (z.B. Publikationsform)
  • Leserpsychologische Kriterien (z.B.Zielgruppe, Niveau, Verwendungszweck)

Die komplette Feingliederung können Sie sich in der WWW-Version der Systematik (s. den entsprechenden Menüpunkt links) und in mehreren Druckversionen (s. unter dem Menüpunkt "Ausgabeformen") ansehen!

Umfang der ÖSÖB

Insgesamt stehen in der ÖSÖB über 2500 einzelne Systematikgruppen zur Verfügung. Damit wird in allen Sachbereichen (auch für große öffentliche Bibliotheken) eine übersichtliche Präsentation von Medien ermöglicht. Dies erleichtert den Lesern die thematische Suche am Regal und die selbständige Orientierung in den Beständen der Bibliothek.

Auch bei Bestandspflege und -controlling kann man von der detaillierten Feingliederung profitieren, da man gut genutzte Inhalte mittels Absenzquoten besser eruieren und in der Folge gezielt ausbauen kann.

Änderungen gegenüber der alten Systematik

  • Detaillierte Feingliederung (Erweiterungen waren z.B. bei den Themen EDV, Naturwissenschaften, Gesellschaft, dringend nötig).
  • Zusammenlegung von Themen, die in vielen Bibliotheken bereits jetzt gemeinsam aufgestellt werden (z.B. VL.G und NN.K nunmehr: NK "Medizin").
  • Zusammenfassung von Sachgruppen unter einer gemeinsamen Notation (z.B. PP "Psychologie", PN "Pädagogik, NI "Zoologie"), sodass eine getrennte Aufstellung auch in kleinen Bibliotheken, die nur zweistellige Notationen verwenden, möglich ist.
  • Zuordnung aller Biographien zu den einzelnen Sachgruppen.
  • Beseitigung von inhaltlichen Fehlern (z.B. Astrologie von den Naturwissenschaften zur Esoterik)

Inhaltliche Definition der Systematikgruppen

Um eine problemlose und vom jeweiligen Anwender möglichst unabhängige Einordnung der zu klassifizierenden Medien zu ermöglichen, sind die einzelnen Systematikgruppen sehr genau definiert. Die ÖSÖB verwendet dazu die folgenden Elemente:

Systematikname:
Er dient der kurzen, prägnanten Charakterisierung der Systematikgruppe. Er wird für die Regalbeschriftung, die Buchstützenschilder und die Bezeichnung im OPAC benötigt.

Erläuterungen:
Erläuterungen enthalten zusätzliche, frei formulierte Angaben zum Begriffsumfang der Systematikgruppe, die im Systematiknamen selbst nicht untergebracht werden können, sowie allgemeine Hinweise.

Verweisungen:
Auch Verweisungen dienen der detaillierten inhaltlichen Abgrenzung gegenüber anderen Systematikgruppen. Sie weisen auf ähnliche Inhalte hin, die in der Systematik aber an anderer Stelle eingeordnet sind. Somit machen sie - durch das strenge systematische Ordnungsprinzip hindurch - Querverbindungen der miteinander ja oft vielfältig verflochtenen Wissensgebiete sichtbar.

Schlagwörter, Schlagwortketten:
Schlagwörter sind Begriffe, die den Inhalt von Systematikgruppen charakterisieren. Sie weisen also den Weg zu den einzelnen Gruppen, ohne im Systematiknamen selbst ausdrücklich genannt werden zu müssen.
Gegenstände, die in unterschiedlichen Zusammenhängen behandelt werden, können verschiedenen Sachgruppen zugeordnet sein. Dies wird im alphabetischen Schlagwortregister durch die Kombination von bis zu drei Schlagwörtern zu einer Schlagwortkette zum Ausdruck gebracht - z.B.: England/Geschichte, England/Reiseführer.
Ein Schlagwortregister ermöglicht also den punktuellen Zugriff auf ein Themengebiet auch ohne genaue Kenntnis des Systematikschemas. Es dient Bibliothekaren als Hilfe beim Systematisieren und bietet den Benutzern einen einfachen Einstieg in die Suche nach Sachthemen.
Das Schlagwortregister der ÖSÖB umfasst über 16000 Schlagwortketten und wird laufend aktualisiert.

Notationen:
Die Beschreibung der Systematikgruppen durch Name, Erläuterungen, Verweisungen und Schlagwörter erfolgt in der natürlichen Sprache. All dies wird durch ein künstliches Zeichensystem dargestellt, durch das Notationssystem.
Notationen kennzeichnen die Systematikgruppen eindeutig und widerspiegeln die Systematik in allen Einzelheiten in Form von festgelegten Symbolen; auch Aufbau und Gliederung, Neben- und Unterordnung werden dadurch zum Ausdruck gebracht.
Darüber hinaus ist die Notation auch Bestandteil der Buchsignatur und kennzeichnet als solche den Platz jedes Titels in der Bibliothek.
Die ÖSÖB ist (im wesentlichen) eine Buchstabennotation und - mit nicht mehr als 5 Buchstaben, gegliedert durch einen Punkt nach der zweiten Stelle - relativ kurz und einfach. Sie ist daher sowohl für die Medienbeschriftung, als auch für die Recherche im OPAC gut geeignet.

Ein Beispiel für eine Systematikgruppe der ÖSÖB:

Allgemeine Anwendungsregeln

Neben den erwähnten Erläuterungen und Verweisungen, mit denen Zuordnungsregelungen für Einzelfälle getroffen werden, gibt es in der ÖSÖB auch allgemeine Anwendungsregeln, die fächerübergreifend gültig sind. Der Benutzer muss sie kennen, um die Systematik korrekt anwenden zu können.
Konkret handelt es sich um folgende Regeln:

Biographische Darstellungen werden den Biographiegruppen der entsprechenden Sachgebiete zugeordnet. Sachlich nicht zuordenbare Titel sind bei den B*-Gruppen zu systematisieren.
Ausnahmen: Bibliotheken mit geringen Biographiebeständen können diese zu den B*-Gruppen systematisieren.
Weitere Ausnahmefälle sind jeweils gesondert angegeben.

Die Biographiegruppen bei den einzelnen Sachbereichen haben an 3. Stelle den Buchstaben Q (z.B.: NC.Q) und sind weiter unterteilt nach einem fixen Schema. Z.B.:

NC.Q: Chemie: Biographisches: Einzeldarstellungen
NC.QS: Chemie: Biographisches: Sammeldarstellungen
NC.QW: Chemie: Biographisches: Erlebnisberichte

Bzw. auch:

KB.Q: Kunst: Biographisches: Übergreifende Darstellungen
KB.QA: Architektur: Biographisches: Einzeldarstellungen
KB.QAS: Architektur: Biographisches: Sammeldarstellungen
KB.QAW: Architektur: Biographisches: Erlebnisberichte
KB.QB: Bildende Kunst: Einzeldarstellungen
KB.QBS: ...
KB.QBW:...
KB.QH:...
[...]

Nachschlagewerke werden ihrem Inhalt entsprechend den passenden Sachgruppen zugeordnet. Das formale Kriterium spielt bei der Systematisierung von Nachschlagewerken also keine Rolle.

Sofern nicht anders angegeben, werden anwendungsbezogene Darstellungen den jeweiligen Anwendungsgebieten zugeordnet.

Allgemeine und übergreifende Darstellungen werden jeweils den übergeordneten Systematikgruppen zugeordnet.

Literatur über Inhalte, für die es keine eigene Gruppe gibt, stehen in der Gruppe "Vermischte Schriften"; falls keine solche Gruppe vorhanden ist, sind sie der jeweiligen Obergruppe zuzuordnen.

Die Vergabe mehrerer Notationen ("Zweitsystematik") ist nur für wenige, ausdrücklich gekennzeichnete Systematikgruppen vorgesehen.

Ausdrücklich gekennzeichnete Gruppen fungieren nur als Überschriften - unter diesen Notationen werden keine Medien systematisiert!

Die Vergabe des Ordnungsworts richtet sich nach den RAK-Regeln; Ausnahmen sind gekennzeichnet (z.B.: Einzelbiographien werden nach der dargestellten Person gereiht).

Die Reihung der Systematikgruppen ist aufgrund der teilweise mnemotechnischen Buchstabennotationen nicht konsequent alphabetisch. Daher ist bei jeder Hauptklasse der 2. Ebene ein entsprechender Hinweis zu finden.

Die Vergabe einer Systematikgruppe sollte nicht ausschließlich auf Basis des Schlagwortregisters oder der Verweisungen erfolgen, sondern erst nach Ansicht aller Detailangaben bei der in Frage kommenden Systematikgruppe.