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Anwendungsregeln und Einführung

Was ist eine Systematik?

Unter einer Systematik versteht man eine Einteilung von Dingen oder Begriffen, die durch gemeinsame Merkmale verbunden sind, in Klassen und Teilklassen. Bekannte Systematiken sind z.B. die biologische Systematik ("Systema naturae", Carl von Linné) und die Klassifikation der Krankheiten (ICD).

In Bibliotheken werden Systematiken verwendet, um die Medienbestände übersichtlich und sinnvoll gliedern zu können und damit die Benutzung der Bibliothek zu erleichtern. Die Systematik dient also der erfolgreichen Bestandsvermittlung, denn sie trägt dazu bei, dass die Inhalte einer Bibliothek von den Nutzern gezielt und möglichst selbständig aufgefunden werden können.

Charakterisierung der ÖSÖB

Öffentliche Bibliotheken sammeln Bestände aus allen Wissensgebieten. Die ÖSÖB ist daher eine universale Wissenssystematik, d.h. eine Schema, in dem alle Bereiche des Wissens in eine logische und zusammenhängende Ordnung gebracht werden.
Formal handelt es sich um eine hierarchische Ordnung, die vom Allgemeinen zum Besonderen fortschreitet. Die allgemeinste und daher oberste Gliederungsebene der ÖSÖB wird mit einem Buchstaben gebildet. Diese dient aber ausschließlich als Überschrift, erst die zweistelligen Hauptgruppen werden für die Systematisierung von Medienbeständen herangezogen. Die Hauptgruppen werden bis zu einer Gliederungstiefe von fünf Buchstaben weiter unterteilt, wobei folgende Kriterien ausschlaggebend sind:

  • Sachliche Kriterien (Einteilung in Sachbereiche)
  • Formale Kriterien (z.B. Publikationsform)
  • Leserpsychologische Kriterien (z.B.Zielgruppe, Niveau, Verwendungszweck)

Umfang der ÖSÖB

Insgesamt stehen in der ÖSÖB ca. 2800 einzelne Systematikgruppen zur Verfügung. Damit wird in allen Sachbereichen (auch für große öffentliche Bibliotheken) eine übersichtliche Präsentation von Medien ermöglicht. Dies erleichtert den Lesern die thematische Suche am Regal und die selbständige Orientierung in den Beständen der Bibliothek.

Auch bei Bestandspflege und -controlling kann man von der detaillierten Feingliederung profitieren, da man gut genutzte Inhalte mittels Absenzquoten besser eruieren und in der Folge gezielt ausbauen kann.

Inhaltliche Definition der Systematikgruppen

Um eine problemlose und vom jeweiligen Anwender möglichst unabhängige Einordnung der zu klassifizierenden Medien zu ermöglichen, sind die einzelnen Systematikgruppen sehr genau definiert. Die ÖSÖB verwendet dazu die folgenden Elemente:

Systematikname:
Er dient der kurzen, prägnanten Charakterisierung der Systematikgruppe. Er wird für die Regalbeschriftung, die Buchstützenschilder und die Bezeichnung im OPAC benötigt.

Erläuterungen:
Erläuterungen enthalten zusätzliche, frei formulierte Angaben zum Begriffsumfang der Systematikgruppe, die im Systematiknamen selbst nicht untergebracht werden können, sowie allgemeine Hinweise.

Verweisungen:
Auch Verweisungen dienen der detaillierten inhaltlichen Abgrenzung gegenüber anderen Systematikgruppen. Sie weisen auf ähnliche Inhalte hin, die in der Systematik aber an anderer Stelle eingeordnet sind. Somit machen sie - durch das strenge systematische Ordnungsprinzip hindurch - Querverbindungen der miteinander ja oft vielfältig verflochtenen Wissensgebiete sichtbar.

Schlagwörter, Schlagwortketten:
Schlagwörter sind Begriffe, die den Inhalt von Systematikgruppen charakterisieren. Sie weisen also den Weg zu den einzelnen Gruppen, ohne im Systematiknamen selbst ausdrücklich genannt werden zu müssen.
Gegenstände, die in unterschiedlichen Zusammenhängen behandelt werden, können verschiedenen Sachgruppen zugeordnet sein.
Ein Schlagwortregister ermöglicht also den punktuellen Zugriff auf ein Themengebiet auch ohne genaue Kenntnis des Systematikschemas. Es dient Bibliothekaren als Hilfe beim Systematisieren und bietet den Benutzern einen einfachen Einstieg in die Suche nach Sachthemen.

Notationen:
Die Beschreibung der Systematikgruppen durch Name, Erläuterungen, Verweisungen und Schlagwörter erfolgt in der natürlichen Sprache. All dies wird durch ein künstliches Zeichensystem dargestellt, durch das Notationssystem.
Notationen kennzeichnen die Systematikgruppen eindeutig und widerspiegeln die Systematik in allen Einzelheiten in Form von festgelegten Symbolen; auch Aufbau und Gliederung, Neben- und Unterordnung werden dadurch zum Ausdruck gebracht.
Darüber hinaus ist die Notation auch Bestandteil der Buchsignatur und kennzeichnet als solche den Platz jedes Titels in der Bibliothek.
Die ÖSÖB ist (im wesentlichen) eine Buchstabennotation und - mit nicht mehr als 5 Buchstaben, gegliedert durch einen Punkt nach der zweiten Stelle - relativ kurz und einfach. Sie ist daher sowohl für die Medienbeschriftung, als auch für die Recherche im OPAC gut geeignet.

 

Allgemeine Anwendungsregeln

Neben den erwähnten Erläuterungen und Verweisungen, mit denen Zuordnungsregelungen für Einzelfälle getroffen werden, gibt es in der ÖSÖB auch allgemeine Anwendungsregeln, die fächerübergreifend gültig sind. Eine Kenntnis dieser Regeln erleichtert die Benutzung.

Wahl der Systematiktiefe

Die ÖSÖB kann von Bibliotheken jeglicher Bestandsgröße verwendet werden. Je nach Bedarf kann zwischen einer kleinen Version (Verwendung der ersten beiden Buchstaben) und einer großen Version (bis zu fünf Buchstaben) gewählt werden. Im Sachbuchbereich empfehlen wir eine eigene Untergruppe ab einer Anzahl von ca. 30 Medien.
Die Gliederungstiefe der Systematik kann auch gemischt werden! Jede Bibliothek hat ihre eigenen Schwerpunkte und besonderen Zielsetzungen und kann die Tiefe der Systematik entsprechend anpassen.

Zweitsystematik

Die Vergabe mehrerer Notationen ("Zweitsystematik") ist nur für wenige, ausdrücklich gekennzeichnete Systematikgruppen vorgesehen. Zu einem großen Teil betrifft das die Systematikgruppe F* (Fremdsprachige Schriften).

Verwendung  der Hauptgruppen

Allgemeine und übergreifende Darstellungen werden jeweils den übergeordneten Systematikgruppen zugeordnet, sofern es keine explizite Gruppe dafür gibt. Literatur über Inhalte, für die es keine eigene Gruppe gibt, stehen in der Gruppe "Vermischte Schriften"; falls keine solche Gruppe vorhanden ist, sind sie der jeweiligen Obergruppe zuzuordnen.

Form vor Inhalt

Die ÖSÖB unterscheidet neben dem Inhalt auch nach dem Trägermedium. So gibt es Hauptgruppen für Spiele (S*), verschiedene Video- und Audiomedien (T*), Internetressourcen (W*) und Gegenstände (Y*).

Geschlüsselte Notationselemente

Die ÖSÖB verwendet in einzelnen Bereichen fixe Buchstaben, die spezielle Inhalte als Untergruppen an unterschiedlichen Stellen in der ÖSÖB repräsentieren. Einzelne Beispiele dafür sind:
  • Die Biographiegruppen bei den einzelnen Sachbereichen haben an 3. Stelle den Buchstaben Q (z.B.: NC.Q) und sind weiter unterteilt nach einem fixen Schema. Z.B.:
    • NC.Q: Chemie: Biographisches: Einzeldarstellungen
    • NC.QS: Chemie: Biographisches: Sammeldarstellungen
    • NC.QW: Chemie: Biographisches: Erlebnisberichte
  • Österreichische Bundesländer sind in den Bereichen EH*, G*, K* mit jeweils gleichen Buchstaben gekennzeichnet (z.B.: B = Burgenland, M = Steiermark). Das übergeordnete Österreich hat in vielen Fällen den Buchstaben O.
  • Allgemeine und einführende Werke sind an vielen Stellen mit *.A gekennzeichnet (Z.B. KT.A: Film. Theater. Tanz / Allgemeine und einführende Schriften)

Geschachtelte Notation

Einzelne Hauptgruppen bieten keine vordefinierten Untergruppen, sondern bedienen sich zur weiteren Gliederung der Sachsystematik. Gekennzeichnet sind diese Fälle durch die Notation *.SYS. Diese Notation dient aber nur als Platzhalter. 
Die Notation zu einzelnen Sachgebieten wird durch die Kombination dieser Notation (inklusive Punkt) mit der entsprechenden Sachsystematik gebildet (z.B. Sammelbiographien von AutorInnen: BA.PL ; Psychologische Zeitschriften: Z.PP)

Parallele Varianten

Einzelne Sachbereiche können auf verschiedene Art systematisiert werden. Wichtig dabei ist, die gewählte Variante konsequent beizubehalten, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.
  • Biographische Darstellungen werden entweder den Biographiegruppen der entsprechenden Sachgebiete oder der B*-Gruppe zugeordnet. Sachlich nicht zuordenbare Titel sind bei den B*-Gruppen zu systematisieren.
  • Videomedien (TT, TV und TF) werden entweder über Nummernsystematiken [*.NUM] (z.B. TT.KT.06) oder über geschachtelte Systematiken [*.SYS] (z.B. TT.DRD) gegliedert.
  • Sachcomics werden entweder als Unterpunkte der Comics (DC.S oder JC.S) oder dem entsprechenden Themenbereich zugeordnet.
  • Biographische Graphic Novels werden entweder unter Biographien (B* oder *.Q) oder als Graphic Novels (DC.G oder JC.G) eingeordnet.

Nachschlagewerke

Nachschlagewerke werden ihrem Inhalt entsprechend den passenden Sachgruppen zugeordnet. Das formale Kriterium spielt bei der Systematisierung von Nachschlagewerken also keine Rolle.

Bildung der Signatur

Die Vergabe des Ordnungsworts richtet sich nach den RAK-Regeln (RDA hat hier keine Änderung vorgenommen); Ausnahmen sind gekennzeichnet (z.B.: Einzelbiographien werden nach der dargestellten Person gereiht).

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