Büchereiverband Österreichs
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Schlussbericht der Arbeitsgruppe Bücherei-Entwicklungsplan

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23.05.2017
Perlen sammeln: Neue Belletristik im Fokus

Die Arbeitsgruppe wurde eingesetzt von Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied (TeilnehmerInnen siehe Anhang).

Wien, April 2013

Die „Arbeitsgruppe Bücherei-Entwicklungsplan“ tagte siebenmal zwischen Juli 2011 und Februar 2013. Ziel war die Ausarbeitung von Vorschlägen und Anregungen für Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied zur Vorlage und Diskussion mit den Mitgliedern des österreichischen Nationalrats.

Kapitel
1.) Executive Summary
2.) Präambel – Öffentliche Büchereien als Menschenrecht
3.) Eine Bücherei-Landkarte für Österreich – statistisches Material und Zusammenfassung der Ergebnisse
4.) Aus- und Weiterbildung
5.) E-Books
6.) Anhang – Liste der Mitglieder der Arbeitsgruppe und der beteiligten Institutionen

1.) Executive Summary zum Schlussbericht der Arbeitsgruppe Bücherei-Entwicklungsplan

Präambel

In einem einleitenden Text wurde die Bedeutung der Öffentlichen Büchereien für den gleichen und freien Zugang zur Bildung als Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft gewürdigt. Die Büchereien gewährleisten den freien und unmittelbaren Zugang von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Buch, zur Zeitschrift, zu den digitalen Medien. Damit ermöglichen sie Menschen unabhängig von deren sozialer, ökonomischer und kultureller Herkunft, jene Medien zu benutzen, die sie sich aus Eigenem nicht leisten könnten oder zu denen sie nie hingeführt wurden.

Öffentliche Büchereien sind Zentren der Bildung, der Kultur, der sozialen Integration und der Information.

Daran anschließend wurden drei Themenbereiche ausführlich behandelt und mit Anregungen und Vorschlägen versehen.

Eine Büchereilandkarte für Österreich

Erstmals wurde eine Landkarte der Öffentlichen Büchereien erstellt, die in einer ersten Entwicklungsstufe auf den Ebenen Bundesgebiet, Bundesländer und Bezirke den Versorgungsgrad mit Büchereien und deren Leistungsfähigkeit zeigt.

Auch wenn Österreich grundsätzlich über ein dichtes Netz an Büchereien verfügt, zeigen sich doch große Unterschiede im Versorgungsgrad zwischen den Bundesländern mit einem West-Ost- und einem Nord-Süd-Gefälle.

Das BMUKK hat schon 2010 sieben Zielstandards für Öffentliche Büchereien festgelegt, bei denen nach der jeweiligen Größe der Gemeinde differenziert wird. Aus der Büchereilandkarte lässt sich entnehmen, dass rund die Hälfte der österreichischen Büchereien die Standards weitgehend erfüllt.

Auch hier zeigt sich, dass die Büchereien des Nordens und Westens sich den Zielen stärker annähern.

Es ergeben sich folgende Vorschläge

  • Es werden wegen der geringen Größe vieler österreichischer Gemeinden Maßnahmen angeregt, die zu einer regionalen Versorgung mit Büchereien in Verbünden führen. Dabei sind die Möglichkeiten der E-Medien einzubeziehen.
  • Es ist anzustreben, dass die Bundesländer konkrete Vorschläge formulieren und daran anschließend Maßnahmen setzen, die dazu beitragen, einen einheitlichen optimierten Wissensraum in Österreich zu schaffen, in welchem die Unterschiede zwischen den Bundesländern beseitigt sind.
  • Mit der Büchereilandkarte liegt eine erste Übersicht über die Verteilung und Qualität der Öffentlichen Büchereien in Österreich vor. Diese sollte in einer zweiten Phase mit den Daten von anderen Bildungseinrichtungen vernetzt untersucht werden. Weiters ist eine Darstellung sinnvoll, die von der reinen Gemeindebetrachtung zu einer Einbeziehung des regionalen Umfeldes kommt. Hier geht es darum, festzustellen, welche Möglichkeiten BürgerInnen haben, in ihrer geografischen Nähe Öffentliche Büchereien zu erreichen, auch wenn in der Gemeinde selbst eine solche nicht vorhanden ist.

Aus- und Weiterbildung

Das Berufsfeld der BibliotekarInnen hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Im Zeitalter der Informationstechnologie sind im Bibliothekswesen technische Qualifikationen ebenso gefordert wie Medienkenntnisse und Fertigkeiten im Projekt- und Veranstaltungsmanagement. Um die MitarbeiterInnen von Öffentlichen Büchereien für die ständig neuen und wachsenden Herausforderungen vorzubereiten, werden folgende Anregungen gegeben:

  • Überarbeitung und Aktualisierung der Ausbildungscurricula
  • Konzeption von (neuen) Fortbildungsschwerpunkten
  • Erweiterung der Fortbildungsangebote
  • Verstärkung dezentraler Fortbildungsangebote
  • Standardisierung von Qualifikationen und Kompetenzen
  • Eine deutliche Erhöhung der Mittel, um diese Vorhaben umzusetzen

Österreichs Bibliotheken und die Herausforderungen durch E-Books

Die Transformation der Medien und der Verfügbarkeit von Information ist eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Um, im Sinn der Chancengleichheit, den Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zum europäischen Wissens- und Kulturerbe zu ermöglichen, sind auch digital publizierte Werke einfach und rechtssicher durch öffentlich zugängliche Bibliotheken nutzbar zu machen. Durch zeitgemäße und die technologischen Änderungen berücksichtigende Maßnahmen werden Informationsfreiheit, Meinungsvielfalt, Medienpluralismus und letztlich die Vielfalt der Kulturen gesichert.

Derzeit besteht Rechtsunsicherheit darüber, ob die Büchereien das Recht haben, E-Books zu erwerben und zu verleihen. Die Verlage sind der Ansicht, dass es ihnen frei steht, ob sie den Zugriff auf Werke gewähren wollen und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in einer verwandten Causa deutet hingegen darauf hin, dass solche Einschränkungen nicht zulässig sind. Es ist daher entscheidend, Rechtssicherheit zu schaffen.

Daher schlägt die Gruppe vor:

  • dass die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur in Brüssel für eine Veränderung des Urheberrechts und verwandter Rechte im Sinne des vorliegenden Papiers eintritt,
  • dass die Mitglieder des Kulturausschusses ersucht werden, auf ihre Fraktionskollegen im EU-Parlament einzuwirken, sich für eine Veränderung des Urheberrechts und verwandter Rechte bei E-Books im Sinne des vorliegenden Papiers einzusetzen,
  • dass Bund und Länder Maßnahmen im Bereich der Förderung des Österreichischen Verlagswesens ergreifen, die eine Verpflichtung von Verkauf von E-Book-Lizenzen für den Verleih in Bibliotheken vorsehen. Die Frau Bundesministerin wird ersucht, dies als Modell in der Konferenz der Kulturminister einzubringen.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe und die beteiligten Institutionen sind im Anhang des Berichts angeführt.

2.) Präambel – Öffentliche Büchereien als Menschenrecht

Der freie und gleiche Zugang zur Bildung ist Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft. Es darf nicht von sozialer, geografischer oder kultureller Herkunft abhängig sein, ob Menschen mit guten Chancen ihren Lebensweg beginnen und begehen. Die Beteiligung an Bildung und Kultur ist ein Grundrecht.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Erlangung sozialer Kompetenz und Bildung ist die Lesefähigkeit. Mehr als ein Viertel der österreichischen Jugendlichen kann nicht Sinn erfassend lesen. Um diesen die weitere persönliche und berufliche Entwicklung hemmenden Mangel zu beseitigen, bedarf es der gemeinsamen Anstrengung aller gesellschaftlichen Kräfte.

Nicht alle Familien können ihre Kinder beim Erwerb von Bildung und Wissen im notwendigen Maß begleiten. Dafür kann es viele Gründe geben: Der Arbeitsdruck auf die Eltern lässt keine ausreichende Betreuung der Kinder zu, oder die Eltern sind selbst bildungsferner Herkunft und konnten aus welchen Gründen auch immer die notwendige Expertise nicht erwerben. Auch Menschen, die aus anderen Kulturen zu uns gekommen sind, können ihren Kindern oft nicht die notwendige sprachliche Unterstützung geben.

Kindergarten und Schule tragen Ihres und Vieles dazu bei, die Bildungslücken zu schließen. Aber auch sie können alleine die große Aufgabe nicht bewältigen.

Umso wichtiger ist die Rolle der Büchereien. Sie gewährleisten den freien und unmittelbaren Zugang von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Buch, zur Zeitschrift, zu den digitalen Medien. Damit ermöglichen sie Menschen unabhängig von deren sozialer, ökonomischer und kultureller Herkunft, jene Medien zu benutzen, die sie sich aus Eigenem nicht leisten könnten oder zu denen sie nie hingeführt wurden.

Alle Menschen in Österreich sollten sich möglichst rasch und einfach der Leistungen der Öffentlichen Büchereien bedienen können. Daher gilt es, eine flächendeckende Versorgung mit bibliothekarischen Dienstleistungen bestmöglich zu gewährleisten. Der Schriftsteller Josef Winkler kritisiert den heutigen Ist-Zustand, wenn er sagt: „Büchereien sind ein Menschenrecht!“

Im Folgenden ist in Kürze dargestellt, welchen Beitrag Öffentliche Büchereien für die soziale Entwicklung, den Bildungsstand und die Kulturvermittlung in der Gesellschaft leisten. Daraus lässt sich deutlich erkennen, dass es eine zentrale öffentliche Aufgabe sein muss, das Bibliothekswesen in Österreich weiterzuentwickeln und für eine flächendeckende Versorgung mit hoher Qualität an Medien und Beratungsleistung zu sorgen.

Bildungszentrum Bücherei

Lesen ist die wichtigste Schlüsselkompetenz für alle Formen des Wissenserwerbs. Wer keinen Zugang zum Lesen bekommt, ist an der persönlichen Entwicklung, am Lernen und an der Teilhabe an Kunst und Kultur gehindert.

Darum braucht es den freien Zugang zu allen Medien und einen offenen Ort, an dem die Voraussetzungen für ein das Leben begleitendes Lernen gegeben sind.

Öffentliche Büchereien können dank der Expertise ihrer MitarbeiterInnen ein vielfältiges Angebot und kompetente Beratung bieten. Sie tragen damit wesentlich zur Förderung der Lesekompetenz und sprachlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bei.

Darüber hinaus unterstützen sie Erwachsene bei der persönlichen oder beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Kulturzentrum Bücherei

Büchereien sind Orte der Kulturvermittlung und verstehen sich als Drehscheibe vielfältiger kultureller Aktivitäten. Breite Angebote an Literatur und Sachbüchern eröffnen ein offenes Kulturverständnis. Wo Hoch- und Populärkultur, Zeitschriften, literarische Bücher, audiovisuelle Medien und Spiele angeboten werden, wird die ganze Welt des Wissens und der Kultur aufgespannt und sichtbar.

Auf diese Weise bewahren Öffentliche Büchereien das kulturelle Erbe und öffnen gleichzeitig den Blick für das Neue.

Dieser freudvolle Zugang zum Buch ist erfolgreich: Während die Zahl der Leserinnen und Leser von Büchern in Österreich sinkt, verzeichnen die Öffentlichen Büchereien stetig wachsende Leserzahlen.

Sozial-integratives Zentrum Öffentliche Bibliothek

Büchereien sichern demokratische Grundrechte, indem sie helfen, die Kluft zwischen Informations-Armen und Informations-Reichen zu schließen.

Sie sind Orte der Begegnung und Kommunikation: Menschen aller Altersgruppen, sozialer Schichten oder unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit können sie für den Dialog und Austausch nutzen.

Öffentliche Büchereien schaffen den freien Zugang zu Informationen für alle Bürgerinnen und Bürger ungeachtet ihres sozialen, materiellen, religiösen, gesundheitlichen und ethnischen Status.

Informationszentrum Öffentliche Bibliothek

Büchereien sind heute, wenn es ihre ökonomische Ausstattung ermöglicht, moderne Informations-, Kommunikations- und Technologiezentren.

Damit schaffen sie einen Zugang zu den digitalen Medien für all jene, die ohne dieses Angebot von der Entwicklung ausgeschlossen wären.

Büchereien sammeln lokale Informationen und Publikationen, bereiten sie auf, machen sie für alle zugänglich und werden auf diese Weise zu regionalen Wissens- aber letztlich vor allem auch Bildungszentren.

3.) Eine Büchereilandkarte für Österreich

Zur Darstellung der Präsenz sowie der Stärken und Schwächen der Öffentlichen Büchereien wurde der Büchereiverband Österreichs durch das BMUKK beauftragt, eine spezifische Büchereilandkarte zu erstellen. Es wurden 1211 Bibliotheken in dieser Untersuchung ausgewertet. In seiner ersten Entwicklungsstufe zeigt die Karte auf drei politischen Ebenen (Bundesgebiet, Bundesländer und Bezirke) den Versorgungsgrad mit Öffentlichen Bibliotheken sowie deren Leistungsfähigkeit im Erreichen der österreichischen Zielstandards.

Der Versorgungsgrad

Österreich hat ein dichtes Netz an Büchereien. Rund 77 Prozent aller Österreicher und Österreicherinnen leben in Gemeinden mit zumindest einer Öffentlichen Bücherei.

Zehn Prozent der Gesamtbevölkerung nutzen diese Bibliotheken mindestens einmal jährlich. Rund zehn Millionen bereitgestellte Medien führen zu etwa zwanzig Millionen Entlehnvorgängen.

In größeren Gemeinden gehört die Bibliothek durchwegs zur kommunalen Grundausstattung: Alle Gemeinden über 10.000 EinwohnerInnen verfügen über Bibliotheken, bei Bezirkshauptstädten und Gemeinden zwischen 5000 und 10.000 EinwohnerInnen liegt der Versorgungsgrad immerhin noch bei 88 Prozent. Demgegenüber verfügt nur jede dritte Gemeinde mit weniger als 2500 EinwohnerInnen über eine Öffentliche Bibliothek.

Soweit die gesamtösterreichischen Zahlen. Wie man der Büchereilandkarte jedoch entnehmen kann, zeigen sich hinsichtlich des Versorgungsgrades zwischen den Bundesländern große Unterschiede. Auf Wien, das als eigene Gemeinde einen Versorgungsgrad von hundert Prozent aufweist, folgen die Bundesländer Salzburg und Vorarlberg mit Werten von über neunzig Prozent, Oberösterreich und Tirol liegen mit knapp achtzig Prozent im oberen Mittelfeld. Kärnten, die Steiermark und Niederösterreich weisen einen Versorgungsgrad von etwa zwei Drittel auf, Schlusslicht bildet das Burgenland, wo nur die Hälfte der Gemeinden über eine Öffentliche Bücherei verfügt.

In der geografischen Verteilung zeigen sich sowohl ein West-Ost- als auch ein Nord-Süd-Gefälle. In den politischen Bezirken West- und Nordösterreichs ist der Versorgungsgrad höher als im Südosten des Landes.

Bei genauerem Betrachten einzelner Regionen offenbart sich ein wahrer „Fleckerlteppich“ mit zum Teil großen Unterschieden zwischen benachbarten Bezirken. So lebt in manchen Bezirken nur ein Drittel aller Menschen in einer Gemeinde mit Bibliothek, in anderen, mitunter benachbarten Bezirken sind es hingegen annähernd 80 Prozent der Menschen, die Zugang zu einer Öffentlichen Bücherei haben.

Manche Unterschiede lassen sich mit Gemeindestrukturen erklären, zweifellos spielen aber auch die jeweiligen Förderaktivitäten der Bundesländer eine Rolle.

Doch auch innerhalb der Bundesländer sind bisweilen große Unterschiede zu beobachten: Im Kärntner Bezirk Wolfsberg beträgt der Versorgungsgrad 78,5 Prozent, im benachbarten Völkermarkt sind es nur 35 Prozent. Im Tiroler Bezirk Kufstein leben vier von fünf Menschen in einer Gemeinde mit einer Öffentlichen Bibliothek, im angrenzenden Kitzbühel ist es nur jeder Zweite. Auch der Versorgungsgrad der naheliegenden oberösterreichischen Bezirke Eferding und Schärding unterscheidet sich mit 81 bzw. 56 Prozent deutlich.

Diese Unterschiede spiegeln sich im Verhalten der NutzerInnen und in der Kundenfrequenz: Im gut versorgten Tamsweg nutzen über fünfzehn Prozent der EinwohnerInnen mindestens einmal jährlich eine der zehn Bibliotheken des Bezirks, in anderen, schlechter versorgten Bezirken sind es rund zehn Prozent.

Der Bezirk mit den meisten Medien pro EinwohnerIn ist Feldkirch mit 2,62 (d. h. auf knapp 100.000 EinwohnerInnen kommen mehr als 260.000 Medien). Die meisten Entlehnungen pro EinwohnerIn gibt es im Bezirk Dornbirn (im Schnitt sind es mehr als acht pro Jahr), gefolgt von Salzburg-Stadt. Die meisten Entlehnungen wiederum pro BenutzerIn werden in Wels-Stadt verzeichnet (59 pro Jahr), knapp dahinter rangieren Linz-Stadt und St. Pölten-Stadt.

Die Leistungsfähigkeit der Öffentlichen Bibliotheken

Das BMUKK hat im Jahr 2010 gemeinsam mit dem BVÖ sieben österreichweit einheitliche Zielstandards für Öffentliche Büchereien festgelegt. (http://www.bmukk.gv.at/kultur/foerderungen/oeb/index.xml)

Sie beziehen sich auf folgende Kriterien:

  • Medienbestand (Anzahl an Büchern, AV-Medien, Zeitschriften, Spielen ...)
  • Erneuerungsquote der Medien (zehn Prozent des Bestandes sollten pro Jahr erneuert werden)
  • Als Bibliotheksfläche sollten 30 m2 pro 1000 EinwohnerInnen zur Verfügung stehen
  • Öffnungszeiten in Wochenstunden
  • Zahl der digitalen Arbeitsplätze (Internet, Audio) für die BenutzerInnen
  • Personal (Ausbildung der BibliotheksleiterInnen, Anzahl der Dienststellen)
  • Fortbildungsaktivitäten der BibliothekarInnen

Einige der Ziele sind nach der Größe der Gemeinden abgestuft. So sollte z. B. eine Bibliothek in einer Gemeinde mit weniger als 2500 EinwohnerInnen Öffnungszeiten von acht Wochenstunden an mindestens drei Öffnungstagen erreichen, Bibliotheken in Orten zwischen 5000 und 10.000 EinwohnerInnen sollten zwanzig Stunden an vier Wochentagen geöffnet sein, für Bibliotheken in Städten über 50.000 EinwohnerInnen gelten 45 Öffnungsstunden an sechs Wochentagen als Ziel.

Die Büchereilandkarte zeigt auf einen Blick, inwieweit diese Zielstandards bisher erfüllt werden. Wie beim Versorgungsgrad wird auf drei Ebenen bewertet: Österreich gesamt, Bundesländer und politische Bezirke. Zum Vergleich wird zwischen „Gemeinden mit Bibliotheken“ und „allen Gemeinden“ unterschieden. Die folgenden Zahlen beziehen sich immer auf alle Gemeinden.

Der Zielerreichungsquotient für das gesamte Bundesgebiet liegt bei 51 Prozent. Mit anderen Worten: Österreichweit werden die definierten Standards zur Hälfte erfüllt. Generalisierend gilt: Die größeren Gemeinden kommen den Zielstandards näher als die kleineren. Gemeinden über 50.000 EinwohnerInnen erreichen die Ziele in einem Ausmaß von drei Viertel, Bezirkshauptstädte und Gemeinden zwischen 5000 und 10.000 EinwohnerInnen zu 60 Prozent, während man in der Gruppe der kleinen Gemeinden nur zu einer Zielerreichung von 23,7 Prozent kommt.

Betrachtet man die Gesamtheit der Bibliotheken in kleinen Gemeinden, so unterscheiden sie sich im Erreichen der Ziele aber nicht von den Bibliotheken größerer Gemeinden.

Im Vergleich der Bundesländer kommt Wien in seiner Sonderstellung als Bundesland und Stadt auf eine Zielerfüllung von 80 Prozent, gefolgt von Salzburg (68 %) und Vorarlberg (63 %). Oberösterreich liegt mit 51 Prozent genau im österreichischen Durchschnitt, dahinter rangieren Tirol (44 %), die Steiermark (39 %), Niederösterreich (35 %), Kärnten (34 %) und das Burgenland (25 %).

Jenseits dieser Gesamtzahlen gibt es große Unterschiede bei der Erlangung verschiedener Ziele. So wird selbst beim Spitzenreiter Wien die angestrebte Raumgröße (30 Quadratmeter pro 1000 EinwohnerInnen) nur zu 30 Prozent erreicht, auch stehen nur knapp mehr als ein Drittel der angestrebten PC-Plätze (einer pro 3000) zur Verfügung. Auf der anderen Seite wird das Ziel „Anzahl der Medien“ (ein bis zwei pro EinwohnerIn) im Burgenland zu 30 bis 69 Prozent erreicht (je nach Gemeindegröße), in Kärnten werden die Vorhaben zu Öffnungszeiten in Gemeinden über 10.000 EinwohnerInnen zu mehr als drei Viertel erfüllt.

Im Blick auf die Gesamtheit der politischen Bezirke ergibt sich ein ähnliches Bild wie beim Versorgungsgrad: Der Westen und Norden Österreichs nähern sich den Zielstandards stärker als der Osten und Süden. Zu den „Musterschülern“ zählen die Bezirke Bregenz, Feldkirch, Salzburg (Stadt und Umgebung), Hallein, Linz-Stadt, Krems-Stadt, St. Pölten-Stadt und Wiener Neustadt. Der Bezirk mit der höchsten Zielerfüllung ist Salzburg-Stadt, wo die Ziele zu 85 Prozent erreicht werden.

Am unteren Ende der Skala mit Werten von weniger als 20 Prozent finden sich Villach-Land, Klagenfurt-Land, Murau, Wiener Neustadt-Land, Güssing und Rust.

Daran schließen sich folgende Vorschläge und Anregungen:

Fragestellungen:

Wie soll die Förderung des Büchereiwesens angesichts der speziellen österreichischen Gemeindestruktur organisiert werden?

Welche Auswirkungen ergeben sich durch die Unterschiedlichkeiten des Büchereiwesens in den österreichischen Bundesländern?

Welche Daten sind zu erheben und statistisch auszuwerten, um in den nächsten Monaten und Jahren noch tiefergehende Überlegungen zum Büchereiwesen treffen zu können?

Maßnahmen für Regionalversorgung in Verbünden

Die österreichische Gemeindestruktur ist heterogen, rund zwei Drittel aller Gemeinden, das sind 1707, weisen weniger als 2500 EinwohnerInnen auf. Daraus folgt, dass es nicht gelingen kann, in jeder österreichischen Gemeinde eine voll ausgestattete, leistungsfähige Öffentliche Bücherei zu betreiben.

Anregung: Es werden Maßnahmen angeregt, die zu einer regionalen Versorgung mit Büchereien in Verbünden führt. Dabei sind die Möglichkeiten der E-Medien einzubeziehen.

Abgestimmte Fördermaßnahmen der Länder

Die Büchereilandkarte zeigt deutlich, dass man von einem einheitlichen Büchereiwesen in Österreich nicht sprechen kann. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind augenscheinlich, der Zugang zu Literatur und Information ist dadurch ungleich verteilt.

Anregung: Es ist anzustreben, dass die Bundesländer konkrete Vorschläge formulieren und daran anschließend Maßnahmen setzen, die dazu beitragen, einen einheitlichen optimierten Wissensraum in Österreich schaffen, in welchem die Unterschiede zwischen den Bundesländern beseitigt sind.

Weiterentwicklung der Büchereilandkarte unter Einbeziehung demo­grafischer und demoskopischer Daten

Mit der Büchereilandkarte liegt eine erste Übersicht über die Verteilung und Qualität der Öffentlichen Büchereien in Österreich vor.

Anregung: Diese sollte in einer zweiten Phase mit den Daten von anderen Bildungseinrichtungen vernetzt untersucht werden. Weiters ist eine Darstellung sinnvoll, die von der reinen Gemeindebetrachtung zu einer Einbeziehung des regionalen Umfeldes kommt. Hier geht es darum, festzustellen, welche Möglichkeiten BürgerInnen haben, in ihrer geografischen Nähe Öffentliche Büchereien zu erreichen, auch wenn in der Gemeinde selbst eine solche nicht vorhanden ist.

4.) Aus- und Weiterbildung

Berufsfeld BibliothekarIn und Ausbildung

Das Berufsfeld des Bibliothekars/der Bibliothekarin hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Im Zeitalter der Informationstechnologie sind im Bibliothekswesen technische Qualifikationen ebenso gefordert wie Medienkenntnisse und Fertigkeiten im Projekt- und Veranstaltungsmanagement.

Die MitarbeiterInnen von Öffentlichen Bibliotheken stehen ständig vor neuen und wachsenden Herausforderungen. Um diese Aufgaben professionell wahrnehmen zu können, bedarf es entsprechender Inhalte und Qualifikationen, die den BibliothekarInnen in einer qualifizierten Ausbildung und in konsequenten Abständen in Fortbildungen angeboten werden.

Ausbildung heute

Für MitarbeiterInnen Öffentlicher Bibliotheken werden mit Finanzierung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) Aus- und Fortbildungskurse angeboten. Die Lehrgänge richten sich an unterschiedliche Zielgruppen: an die zahlenmäßig größte Gruppe der ehrenamtlichen und nebenberuflichen BibliothekarInnen, an hauptberufliche MitarbeiterInnen im mittleren Fachdienst (mit Pflichtschulabschluss) sowie im gehobenen Fachdienst (mit Matura). Alle Ausbildungen sind tätigkeitsbegleitend konzipiert und setzen sich aus Präsenzwochen im bifeb St. Wolfgang und begleitenden Fernlernaufgaben zusammen.

Standardisierung

1999 unterzeichneten die BildungsministerInnen der Europäischen Union in Bologna ein Abkommen zur Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraumes. Ziele dieses Abkommens waren vergleichbare Abschlüsse der akademischen Ausbildungen und mehr Durchlässigkeit im universitären Bildungsbereich. Der Bologna-Prozess hat sich mittlerweile auch auf den nicht universitären Bildungssektor ausgedehnt, verbunden mit einem Trend zur Standardisierung von Qualifikationen und Kompetenzen. Dies ist für die Ausbildung zum Bibliothekar/zur Bibliothekarin anstrebenswert.

Daraus folgen folgende Vorschläge und Anregungen:

  • Überarbeitung und Aktualisierung der Ausbildungscurricula
  • Konzeption von (neuen) Fortbildungsschwerpunkten
  • Erweiterung der Fortbildungsangebote
  • Verstärkung dezentraler Fortbildungsangebote
  • Standardisierung von Qualifikationen und Kompetenzen
  • Eine deutliche Erhöhung der Mittel, um diese Vorhaben umzusetzen

5.) Österreichs Bibliotheken und die Herausforderungen durch E-Books

Die Transformation der Medien und der Verfügbarkeit von Information ist eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit.

Um, im Sinn der Chancengleichheit, den Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zum europäischen Wissens- und Kulturerbe zu ermöglichen, sind auch digital publizierte Werke einfach und rechtssicher durch öffentlich zugängliche Bibliotheken im Rahmen ihrer im Gemeinwohl liegenden Aufgaben nutzbar zu machen. Durch zeitgemäße und die technologischen Änderungen berücksichtigende Maßnahmen werden Informationsfreiheit, Meinungsvielfalt, Medienpluralismus und letztlich die Vielfalt der Kulturen gesichert.

Innovationen setzen gebildete und informierte BürgerInnen voraus. Der freie Austausch von Wissen und Innovation im Binnenmarkt wiederum stellt eine wichtige Komponente der „Strategie Europa 2020“ dar, die als eine ihrer Leitlinien die Entwicklung einer „Digitalen Agenda“ für Europa beinhaltet.

Öffentliche Büchereien als Plattform für freie Information

Ein Weg, frei zu diesen Informationen/Inhalten zu gelangen, führt über die Öffentlichen Bibliotheken. Der derzeit geltende Rechtsrahmen hindert diese Institutionen jedoch daran, ihre essenzielle Aufgabe hinsichtlich der mittlerweile in großem Umfang auch digital erhältlichen Werke in gleichem Ausmaß wie im Fall von Druckwerken zu erbringen.

Da die Vertriebsrechte nach dem ersten Verkauf erschöpft sind, können Bibliotheken veröffentlichte Druckwerke von einem Buchhändler kaufen und diese Exemplare an die BibliotheksnutzerInnen verleihen. Dieses Vorgehen der Bibliotheken verstößt nicht gegen die Rechte der AutorInnen (oder anderer RechteinhaberInnen), die RechteinhaberInnen erhalten für den Verleih eine faire Vergütung.

Somit entscheiden die Bibliotheken gemäß ihrer Bestandsentwicklungsrichtlinien, welche Druckwerke gekauft und für den öffentlichen Verleih genutzt werden. Die Vielzahl der Bibliotheken und deren unterschiedlicher Zugang bei der Auswahl der Druckwerke garantiert überdies, dass diese Werke – wenn auch nicht überall und nicht in gleichem Umfang – doch immerhin insgesamt verfügbar und erhältlich sind.

Rechtsunsicherheit bei Zugang zu E-Books

Beim Zugang zu Werken in Form von E-Books herrscht hingegen erhebliche Rechtsunsicherheit:

Verlage behaupten in Auslegung der Informationsrichtlinie, der Zugang zu E-Books sei eine Dienstleistung, auf diese finde das Konzept der Rechteerschöpfung keine Anwendung. Es stehe den Rechteinhabern frei zu entscheiden, ob sie den Zugriff auf ein bestimmtes Werk gewähren wollen und die Bedingungen für diesen Zugriff festzulegen. Sollte diese Rechtsmeinung gültig sein, würde dies bedeuten, dass in diesem Fall primär Verleger über das digitale Angebot in den Öffentlichen Bibliotheken entscheiden und nicht die Bibliotheken im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags.

Der Europäische Gerichtshof hat im Juli 2012 entschieden, dass der Erschöpfungsgrundsatz auch beim Erwerb von Software mittels Download genauso wie bei physischen Datenträgern gilt. Rechtsexperten meinen, dass mit diesem Urteil auch der Erschöpfungsgrundsatz für E-Books gelte. Dies wird derzeit vor Gericht ausjudiziert. Der Europäische Gerichtshof wird dazu – wenn überhaupt – ein Urteil erst in einigen Jahren fällen.

Die beschriebene Rechtsunsicherheit hindert Bibliotheken massiv in der Erstellung attraktiver E-Book-Angebote für die Bevölkerung. Dringend notwendig daher ist ein präzises Urheberrecht, welches den Bibliotheken erlaubt – wie bei gedruckten Büchern – uneingeschränkt E-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den AutorInnen eine angemessene Vergütung zu erstatten.

Die „Arbeitsgruppe Büchereientwicklungsplan“ schlägt daher vor,

  • dass die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur in Brüssel für eine Veränderung des Urheberrechts und verwandter Rechte im Sinne des vorliegenden Papiers eintritt,
  • dass die Mitglieder des Kulturausschusses ersucht werden, auf ihre Fraktionskollegen im EU-Parlament einzuwirken, sich für eine Veränderung des Urheberrechts und verwandter Rechte bei E-Books im Sinne des vorliegenden Papiers einzusetzen,
  • dass Bund und Länder Maßnahmen im Bereich der Förderung des Österreichischen Verlagswesens ergreifen, die eine Verpflichtung von Verkauf von E-Book-Lizenzen für den Verleih in Bibliotheken vorsehen. Die Frau Bundesministerin wird ersucht, dies als Modell in der Konferenz der Kulturminister einzubringen.

6.) Anhang

Liste der Mitglieder der Arbeitsgruppe und der beteiligten Institutionen

Die Sitzungen wurden jeweils von SC Dr. Michael Franz für das BMUKK oder in seiner Vertretung durch Dr. Reinhold Hohengartner eröffnet.

Folgende Personen nahmen als VertreterInnen der genannten Institutionen an einzelnen oder allen Klausuren teil:

MR Dr. Silvia Adamek (BMUKK, Leiterin Referat IV/4a)
Mag. Christina Aigner (Österreichischer Städtebund)
Mag.a Sevim Aksakalli (Österr. Städtebund) (in Vertretung von Mag. Aigner)
Mag.a Maria Dippelreiter (Sektion I BMUKK) (in Vertretung von Mag. Hafner)
Mag. Gabriele Ecker (Land Niederösterreich)
Dr. Reinhard Ehgartner (Bibliothekswerk)
Mag.a Manuela Gsell (Österreichischer Gemeindebund)
MR Mag. Karl Hafner (BMUKK Sektion I)
Dr. Reinhold Hohengartner (BMUKK Leiter Abt. IV/4)
Dr. Heinrich Klingenberg (Land Steiermark)
Mag. Gerald Leitner (BVÖ)
Mag. Robert Luckmann (Land Salzburg)
Dr. Wolfgang Moser (Lesezentrum Steiermark) – nur 7. Klausur
Ulrike Pichler (Land Steiermark) – nur 7. Klausur
Dr. Helmut Windinger (Stadtbibliothek Salzburg)
DI Gerald Wödl (Büchereiservice ÖGB)

Moderation:
Mag. Peter Menasse

 

Mehr Informationen:

Büchereilandkarte