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Masterplan für öffentliche Bibliotheken

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20.11.2017
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In der Plenarsitzung des Österreichischen Nationalrates am 31. März 2011 beschlossen alle Parteien einstimmig einen Entschließungsantrag für einen Masterplan zum öffentlichen Bibliothekswesen. Die Grünen forderten ein Bibliothekengesetz zur Regelung der Strukturen des öffentlichen Bibliothekswesens samt medialer Ausstattung, Größe und Mitarbeiterstand von Büchereien, blieben damit aber in der Minderheit.

Zahlreiche Nationalratsabgeordnete aus allen Fraktionen beteiligten sich in der regen Diskussion, verwiesen auf die große gesellschaftliche Bedeutung und Notwendigkeit der öffentlichen Bibliotheken und forderten Verbesserungsmaßnahmen ein. Frau Bundesministerin Schmied nahm den Entschließungsantrag gerne an und sieht ihn als Unterstützung für ihre Bestrebungen, das öffentliche Bibliothekswesen zu stärken.

Die zentralen Forderungen des Entschließungsantrages sind:

„Die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur wird ersucht
- die öffentlichen Büchereien als integralen Bestandteil des Bildungssystems und Kulturangebotes sowie als größte außerschulische Bildungs- und Leseförderungseinrichtung bei den Maßnahmen zur Leseförderung zu berücksichtigen, und
- aufbauend auf der 2010 eingeführten „Büchereiförderung NEU“ in Kooperation mit dem Büchereiverband Österreichs, dem Österreichischen Bibliothekswerk, dem Büchereiservice des ÖGB und unter Berücksichtigung von Ländern, Städten und Gemeinden einen Masterplan zur flächendeckenden bundesweiten Entwicklung der öffentlichen Büchereien unter Einbeziehung digitaler Bibliotheksangebote (E-books etc.) zu erstellen - der Masterplan soll die Strukturen des öffentlichen Büchereiwesens analysieren, die Aufgaben von öffentlichen Büchereien definieren sowie Strategien und Empfehlungen für die Büchereientwicklung formulieren.
Weiters wird die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur ersucht, dem Kulturausschuss des Nationalrats im Frühjahr 2012 über die Entwicklung der „Büchereiförderung Neu“ seit 2010 und den Stand der Arbeiten am Masterplan zu berichten.“

Entschließungsantrag (PDF, 65 KB)

Noch nie hat sich das Österreichische Parlament derart eingehend mit den öffentlichen Bibliotheken beschäftigt, noch nie standen die öffentlichen Bibliotheken so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit im Österreichischen Nationalrat, noch nie gab es eine derart einhellige Willens- und Unterstützungserklärung für das öffentlichen Bibliothekswesen von allen Parteien.

Dies ist ein schöner Erfolg – ein Zwischenerfolg, denn damit beginnt die Arbeit an einem möglichst effektiven Entwicklungsplan für die öffentlichen Bibliotheken!

Für alle, die es genau wissen wollen, geben wir Ihnen hier die Zusammenfassung aus der Parlamentskorrespondenz wieder:

„Abgeordnete Heidemarie UNTERREINER (F) sprach von der identitätsstiftenden Kraft des Lesens und meinte, in Zeiten massiver Zuwanderung brauche man mehr denn je eine Sprach- und Kulturgemeinschaft. Sie sah in öffentlichen Büchereien einen idealen Beitrag für gelungene Integration und forderte in einem Entschließungsantrag ein Bibliothekenkonzept, das auf die Vermittlung von deutschsprachiger Kultur und Literatur hin ausgerichtet ist.

Abgeordnete Sonja ABLINGER (S) plädierte hingegen für einen Masterplan für öffentliche Bibliotheken, der vor allem einen flächendeckenden Zugang gewährt und die Vernetzung sowie die Partnerschaft der Büchereien mit den Schulen verstärkt.

Abgeordneter Wolfgang ZINGGL (G) hielt einen Masterplan für nicht ausreichend und drängte auf ein Bibliothekengesetz. Er sah überdies einen Zusammenhang zwischen Bibliotheksentlehnungen und der Lesekompetenz und wies auf das Beispiel Finnlands hin, wo das Büchereienangebot besonders dicht ist.

Abgeordnete Claudia DURCHSCHLAG (V) würdigte die Leihbibliotheken ebenfalls unter dem Aspekt von Lesekompetenz und Weiterbildung und sprach von Bildungsnahversorgern. Als Vorbild präsentierte sie das Büchereiwesen in Oberösterreich.

Abgeordneter Stefan MARKOWITZ (B) unterstrich die Bedeutung von Leihbibliotheken und kündigte die Zustimmung seiner Fraktion zum Antrag betreffend Masterplan an.

Kulturministerin Claudia SCHMIED meinte, der gegenständliche Antrag unterstreiche die Forderungen des Regierungsprogramms, weshalb sie ihn gerne annehme. Bund, Länder und Trägerorganisationen in den Masterplan einzubinden, werde aber eine große Herausforderung darstellen. Die Vorschläge aus dem Kulturausschuss, Verbindungen zum schulischen Sektor herzustellen, greife sie gerne auf, meinte Schmied.

S-Mandatarin Ulrike KÖNIGSBERGER-LUDWIG zeigte sich erfreut darüber, dass der vorliegende Antrag nunmehr von allen fünf Fraktionen unterstützt werde. Es müsse das Ziel sein, ein flächendeckendes Büchereienangebot sicherzustellen. Bibliotheken seien schließlich auch Orte der Begegnung, der Bildung und nicht zuletzt der Kompetenzentwicklung, stellte die S-Abgeordnete fest. Vor diesem Hintergrund halte sie es für erforderlich, den Zugang zu ihnen niederschwellig und die Kosten für ihre Benützung gering zu halten.

Auch V-Abgeordnete Katharina CORTOLEZIS-SCHLAGER begrüßte es, dass der Antrag ihrer Fraktionskollegin Silvia Fuhrmann zu einem Antrag aller Fraktionen werden konnte. Statistisch gesehen liest jeder Vierte im Laufe des Jahres kein einziges Buch, jeder weitere Vierte nur zwei bis drei. Es sei deshalb auch notwendig, Erwachsene, die Vorbilder für Kinder und Jugendliche seien, für das Lesen zu gewinnen. Das Bibliotheksangebot gelte es außerdem multimedial weiterzuentwickeln, stellte die Abgeordnete fest. Sie regte in diesem Zusammenhang an, zur Forcierung der Donauraumstrategie beizutragen, indem man die zeitgenössische Literatur der Nachbarstaaten in den Fokus eines Bibliotheksschwerpunkts rücke.

Abgeordneter Josef JURY (F) zeigte sich erfreut darüber, dass ein früherer Antrag seiner Fraktion in die Erstellung des Fünf-Parteien-Antrags einfließen konnte. Man müsse alles tun, damit Lesen wieder "sexy" werde, schloss der F-Mandatar.

S-Abgeordnete Rosa LOHFEYER bezeichnete Bibliotheken als wesentlichen Bestandteil des Kultur- und Bildungsangebots. Das neue Fördermodell solle dazu beitragen, gewisse Leistungsziele zu erreichen. Es gehe dabei unter anderem um die Festlegung der Qualität der Medienangebote, der Öffnungszeiten sowie der Ausstattung. Die Fördersumme des Bundes konnte trotz der schwierigen budgetären Situation verdreifacht werden, zeigte sich Lohfeyer erfreut. Die in Angriff genommenen Maßnahmen zeitigten im städtischen Raum bereits gute Ergebnisse, im ländlichen Bereich gebe es aber noch Handlungsbedarf, schloss die Rednerin.

V-Abgeordneter Johann HÖFINGER wies auf die Bedeutung der Kompetenz des qualifizierten Lesens hin. Um Anreize zur Förderung dieser Fähigkeit setzen zu können, brauche es unter anderem ein umfassendes Angebot an Büchereien. Er begrüße daher die Initiativen, die man heute beschließe.

Dass Finnland bei der PISA-Studie immer Spitzenplätze einnehme, sei nicht zuletzt auf das gut ausgebaute Angebot an Büchereien in diesem Staat zurückzuführen, meinte Abgeordnete Ruth BECHER (S). Dort besuche man durchschnittlich einmal pro Monat die Bibliotheken. Ein ähnliches Niveau des Büchereiwesens gelte es auch in Österreich zu erreichen, schloss Becher.

Auch V-Mandatarin Gertrude AUBAUER meinte, dass es auch in einer digitalen Welt Bücher brauche. Sie könnten Bilder evozieren, zum Träumen anregen und auch den Wortschatz erweitern, was in Zeiten von PISA ein wesentliches Plus darstelle. Öffentliche Büchereien sind zeitgemäß und werden angesichts des Anspruchs auf lebenslanges Lernen zunehmend wichtiger, stellte die V-Abgeordnete fest.

Der 5-Parteien-Antrag betreffend "Büchereiförderung Neu" und Masterplan für öffentliche Büchereien fand die Zustimmung aller Fraktionen. Der Antrag der F-Abgeordneten Unterreiner betreffend Integration und Identität im Zusammenhang mit öffentlichen Büchereien verfehlte das erforderliche Quorum und blieb in der Minderheit. Abgelehnt wurde auch der Antrag der Grünen Fraktion, der den auf ein Bibliothekengesetz gerichtet war."