Büchereiverband Österreichs
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Antwort der KPÖ

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02.05.2017
S-M: Alte und neue Klassiker für Kinder

Der Büchereiverband Österreichs (BVÖ) – als Dachverband der Öffentlichen Bibliotheken – fragt an,

  1. welche Überlegungen Ihrer Partei es für die neue Legislaturperiode gibt, um die augenscheinlichen Defizite und Mängel zu beheben und österreichische Öffentliche Bibliotheken auf europäisches Niveau heranzuführen?
  2. welche Maßnahmen Ihre Partei ergreifen wird, um die augenscheinlichen Unterschiede im Büchereiwesen der Bundesländer zu beheben?
  3. ob Ihre Partei ein Bibliotheksgesetz in der neuen Legislaturperiode anstrebt?
  4. ob Ihre Partei eine Erhöhung der Bundesmittel für die Öffentlichen Bibliotheken plant und betreiben wird?
  5. ob Ihre Partei in Brüssel für ein modernes, präzises Urheberrecht eintreten wird, welches den Bibliotheken erlaubt – wie bei gedruckten Büchern – uneingeschränkt E-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den AutorInnen eine angemessene Vergütung zu erstatten?
  6. ob Ihre Partei den Aufbau einer Österreichischen E-Book-Library vorantreiben wird?
  7. ob sich Ihre Partei für eine moderne, dem Bologna-Prozess entsprechende Ausbildung für Bibliothekarinnen und Bibliothekare an Öffentlichen Büchereien einsetzen wird?

 

ad 1) Das österreichische Bibliothekswesen ist traditionell in mehrfacher Weise gespalten in Wissenschaftliche Bibliotheken, Öffentliche Büchereien, Schulbibliotheken. Sie werden von verschiedenen Trägern eingerichtet und erhalten: Bund, Länder, Gemeinden, Pfarren, AK und ÖGB. Diese Zersplitterung hat dem österreichischen Bibliothekswesen – und besonders den Öffentlichen Büchereien – nicht gut getan und behindert weiterhin eine gedeihliche, den Anforderungen entsprechende Entwicklung. Die KPÖ tritt daher für ein alle Bibliotheksarten umfassendes Bibliothekengesetz ein, das die Erstellung eines Entwicklungsplanes ermöglicht, um europäische Standards erreichen zu können.
ad 2) Da es kein Bibliothekengesetz gibt, das einheitliche Standards für die Träger Öffentlicher Büchereien festlegt, ist es zu einer sehr unterschiedlichen Entwicklung in den Bundesländern gekommen. Die KPÖ wird sich daher dafür einsetzen, dass es einheitliche Regelungen und Standards gibt, welche Kommunen ab einer bestimmten Größe verpflichtet, Öffentliche Büchereien einzurichten und zu erhalten und die Bundesländer dazu zwingt, ausreichend Förderungsmittel zur Verfügung zu stellen.
ad 3) Ja! Und zwar ein Gesetz, das alle Bibliotheksarten einschließt, eventuell auch – wie in Norwegen – Bibliotheken, Archive und Museen gemeinsam regelt.
ad 4) Bibliotheken haben auch durch WWW und Internet nicht an Bedeutung eingebüßt, eher im Gegenteil neue Aufgaben hinzugewonnen (E-Books, E-Papers, Digitalisierungsprojekte, leichterer und gerechter Zugang zu Wissen …) Diese Aufgaben können nur durch eine markante Erhöhung der Bundesmittel erfüllt werden, will man sich nicht auf Gedeih und Verderb privatwirtschaftlichen Monopolisten wie Google ausliefern. Die KPÖ wird daher diese Forderung vehement vertreten.
 Ein Teil dieser Mittel soll unserer Meinung nach in ein Bibliotheksentwicklungsinstitut fließen, welches als wissenschaftliche Begleiteinrichtung gemeinsam mit den VertreterInnen der BibliothekarInnen und der betroffenen Ministerien einen Entwicklungsplan für das gesamte, vereinheitlichte Bibliothekswesen erstellt und die Bibliotheken bei der Umsetzung unterstützt.
ad 5) Das Urheberrecht hat noch nie einen wirklich gerechten Ausgleich zwischen UrheberInnen, Verwertern, NutzerInnen und den Ansprüchen der Öffentlichkeit herstellen können, und in den letzten Jahrzehnten hat sich das Gewicht immer mehr zugunsten der Verlage, Musiklabels und Filmfirmen verlagert. Auch in den globalen Beziehungen stellen Copyright und artverwandte Schutzrechte für weniger entwickelte Länder eine hohe Barriere im Zugang zu Information und Wissen dar. Auch Bibliotheken und deren Publikum leiden vehement unter den eingeschränkten Zugriffsmöglichkeiten, die ihnen von kommerziellen Verwertern über rigide Lizenzbestimmungen auferlegt werden. Die KPÖ als Verfechterin von gerechten Wirtschaftsbeziehungen und sozialen Verhältnissen wird daher der notwendigen Reform des Urheberrechts besondere Bedeutung schenken.
ad 6) Da die KPÖ schon immer für gleichen und gerechten Zugang zu allen Formen von Kultur eintritt und eine E-Book-Bibliothek die logische Weiterentwicklung des hinter dem Bibliothekswesen stehenden Gedankens ist, werden wir den Aufbau einer solchen digitalen Bibliothek fordern und unterstützen.
ad 7) Die den Erfordernissen moderner Bibliotheken adäquate Ausbildung von BibliothekarInnen ist ein ganz wesentlicher Baustein für die Gestaltung eines europäische und internationale Standards erreichenden Bibliothekswesens. Derzeit gibt es nur eine gesetzlich geregelte Ausbildung, nämlich die Lehre für Archiv-, Bibliotheks-  und InformationsassistentInnen. Für höherwertige Posten bilden derzeit nur Universitätslehrgänge aus, die aber von den Studierenden selbst zu zahlen sind. Daneben gibt es noch die vom BVÖ angebotene Ausbildung für einerseits ehrenamtlich, andererseits hauptberuflich arbeitende BibliothekarInnen an Öffentlichen Büchereien. 
Die KPÖ steht dem Bologna-Prozess grundsätzlich skeptisch gegenüber. Viel wichtiger finden wir, dass erstmals in der Geschichte Österreichs ein Lehrstuhl für Bibliothekswissenschaft eingerichtet wird, unter dessen Führung die Ausbildungsfrage komplett neu diskutiert und geregelt wird.