Büchereiverband Österreichs
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02.05.2017
S-M: Alte und neue Klassiker für Kinder

„Büchereien sind ein Menschenrecht!“

Der Büchereiverband Österreichs hat alle bundesweit werbenden Parteien in einem Brief vor den Wahlen auf die Situation der Öffentlichen Bibliotheken aufmerksam gemacht, Veränderungen angeregt und Stellungnahmen dazu erbeten, auf die wir natürlich nach den Wahlen pochen werden.

Alle Menschen in Österreich sollten sich möglichst rasch und einfach der Leistungen der Öffentlichen Büchereien bedienen können. Der Schriftsteller Josef Winkler sagt: „Büchereien sind ein Menschenrecht!“, er kritisiert den nicht optimalen Status quo und fordert dieses Grundrecht für alle Österreicherinnen und Österreicher ein. Daher gilt es, eine flächendeckende Versorgung mit bibliothekarischen Dienstleistungen bestmöglich zu gewährleisten.

Anbei der Brief an:

Bundesparteivorsitzender Werner Faymann, SPÖ
Bundesparteiobmann Dr. Michael Spindelegger, ÖVP
Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache, FPÖ
Bundesparteisprecherin Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Die Grünen
Bündnisobmann Josef Bucher, BZÖ
Parteiobmann Frank Stronach, Team Stronach 
Bundessprecher Dr. Mirko Messner, KPÖ
Parteivorsitzender Dr. Matthias Strolz, NEOS
Bundesvorstand Piratenpartei, Piratenpartei Österreichs

1 Million eingeschriebene BenutzerInnen nehmen die Dienste der 1473 Öffentlichen Bibliotheken jährlich in Anspruch. Keine andere Leseförderungsinstitution erreicht in Österreich derart viele Leserinnen und Leser. Büchereien stellen nicht nur Bücher bereit, sondern animieren mit Tausenden Veranstaltungen zum Lesen: Ohne das Netz der Öffentlichen Bibliotheken ist eine flächendeckende Versorgung mit Literatur und Information in Österreich nicht zu gewährleisten.

Die Büchereien gewährleisten den freien und unmittelbaren Zugang von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Buch, zur Zeitschrift, zu den digitalen Medien. Damit ermöglichen sie Menschen unabhängig von deren sozialer, ökonomischer und kultureller Herkunft, jene Medien zu benutzen, die sie sich aus eigenen Mitteln nicht leisten könnten oder zu denen sie nie hingeführt wurden.

Alle Menschen in Österreich sollten sich möglichst rasch und einfach der Leistungen der Öffentlichen Büchereien bedienen können. Daher gilt es, eine flächendeckende Versorgung mit bibliothekarischen Dienstleistungen bestmöglich zu gewährleisten. Der Schriftsteller Josef Winkler sagt: „Büchereien sind ein Menschenrecht!“, er kritisiert den nicht optimalen Status quo und fordert dieses Grundrecht für alle Österreicherinnen und Österreicher ein.

Österreichs Büchereien erbringen ihre Leistungen unter schwierigen Rahmenbedingungen. Es besteht keinerlei gesetzliche Verpflichtung, Öffentliche Büchereien zu errichten und zu führen. Die Errichtung und der Betrieb von Öffentlichen Bibliotheken sind freiwillige Leistungen ihrer Träger. Kein Gesetz gibt Standards für Räumlichkeiten, Ausstattung und Personaleinsatz vor.

Die Folgen und Mängel sind augenscheinlich: Von einem einheitlichen Büchereiwesen kann man in Österreich nicht sprechen. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind eklatant, der Zugang zu Literatur und Information ist dadurch ungleich verteilt.

Die Transformation der Medien und der Verfügbarkeit von Information ist eine der größten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Um, im Sinn der Chancengleichheit, den Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zu Information und Kultur zu ermöglichen, sind auch digital publizierte Werke einfach und rechtssicher durch öffentlich zugängliche Bibliotheken im Rahmen ihrer im Gemeinwohl liegenden Aufgaben nutzbar zu machen. Eine „Österreichische E-Book-Bibliothek“, die allen Österreicherinnen und Österreicher in allen Orten, auch in den kleinsten, zugänglich wäre, könnte dies ermöglichen. Derzeit besteht aber Rechtsunsicherheit darüber, ob die Büchereien das Recht haben, E-Books zu erwerben und zu verleihen. Die Verlage sind der Ansicht, dass es ihnen frei steht, ob sie den Zugriff auf Werke gewähren wollen und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in einer verwandten Causa deutet hingegen darauf hin, dass solche Einschränkungen nicht zulässig sind. Es ist daher entscheidend, Rechtssicherheit zu schaffen und die notwendigen Finanzen sicherzustellen.

Nur mit gut ausgebildeten Bibliothekarinnen und Bibliothekaren können die Anforderungen der Informationsgesellschaft bewältigt werden. Das Berufsfeld des Bibliothekars/der Bibliothekarin hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Im Zeitalter der Informationstechnologie sind im Bibliothekswesen technische Qualifikationen ebenso gefordert wie Medienkenntnisse und Fertigkeiten im Projekt- und Veranstaltungsmanagement.

Die MitarbeiterInnen von Öffentlichen Bibliotheken stehen ständig vor neuen und wachsenden Herausforderungen. Um diese Aufgaben professionell wahrnehmen zu können, bedarf es entsprechender Inhalte und Qualifikationen, die den BibliothekarInnen in einer qualifizierten Ausbildung und in konsequenten Abständen in Fortbildungen angeboten werden.

Öffentliche Büchereien sind Zentren der Bildung, der Kultur, der sozialen Integration und der Information. Dies ist nur möglich, wenn sie ausreichend Platz, Finanzmittel und qualifiziertes Personal bekommen.

Der Büchereiverband Österreichs (BVÖ) – als Dachverband der Öffentlichen Bibliotheken – fragt an,

  1. welche Überlegungen Ihrer Partei es für die neue Legislaturperiode gibt, um die augenscheinlichen Defizite und Mängel zu beheben und österreichische Öffentliche Bibliotheken auf europäisches Niveau heranzuführen?
  2. welche Maßnahmen Ihre Partei ergreifen wird, um die augenscheinlichen Unterschiede im Büchereiwesen der Bundesländer zu beheben?
  3. ob Ihre Partei ein Bibliotheksgesetz in der neuen Legislaturperiode anstrebt?
  4. ob Ihre Partei eine Erhöhung der Bundesmittel für die Öffentlichen Bibliotheken plant und betreiben wird?
  5. ob Ihre Partei in Brüssel für ein modernes, präzises Urheberrecht eintreten wird, welches den Bibliotheken erlaubt – wie bei gedruckten Büchern – uneingeschränkt E-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den AutorInnen eine angemessene Vergütung zu erstatten?
  6. ob Ihre Partei den Aufbau einer Österreichischen E-Book-Library vorantreiben wird?
  7. ob sich Ihre Partei für eine moderne, dem Bologna-Prozess entsprechende Ausbildung für Bibliothekarinnen und Bibliothekare an Öffentlichen Büchereien einsetzen wird? 

Wien, am 12. August 2013