[Bibmail] Organisierter Naziüberfall auf linken Kulturverein in Wien

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Di Okt 28 17:54:10 CET 2008


Als MitbetreiberIn des Kulturvereins W23 erlaubt sich die Bibliothek - von
unten, folgende offizielle Stellungnahme zum Überfall auf den Kulturverein
zu übermitteln.


Organisierter Naziüberfall auf linken Kulturverein in Wien

In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober kam es zu einem organisierten
Naziüberfall auf ein antifaschistisches Fest im ersten Wiener
Gemeindebezirk. Rund zehn Neonazis versuchten gegen 00:20 die
Räumlichkeiten des linken Kulturvereins W23 in der Wipplingerstraße 23 zu
stürmen und begannen wahllos in die Menge der anwesenden Personen zu
prügeln. Nur durch das besonnene Vorgehen der Anwesenden konnte
Schlimmeres verhindert werden, die Neonazis wurden innerhalb kürzester
Zeit hinausgedrängt. Es gab zwei Leichtverletzte und geringen Sachschaden.

Der Angriff war offenbar generalstabsmäßig geplant, zufällig vorbei
kommende Passant_innen hatten, noch bevor es zu dem Überfall kam, die
Polizei gerufen, nachdem sie die Gruppe beobachtet hatten, wie sie in
Zweierreihe und mit militärischem Auftreten im Laufschritt durch den
ersten Bezirk in Richtung Wipplingerstraße unterwegs waren. Alle Angreifer
waren einheitlich gekleidet und mit Sturmhauben unkenntlich gemacht, sowie
mit Handschuhen auf die folgende Attacke vorbereitet.

Von dem Vorfall schockiert zeigte sich auch der Grüne Bezirksrat Georg
Prack, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Fest zugegen war. „Die gezielte
Attacke gegen das W23 stellt einen weiteren Beleg für die zunehmende
Radikalisierung der extremen Rechten in Österreich dar“, sieht Prack einen
gesamtgesellschaftlichen Hintergrund.

Fragen muss sich auch das Landesamt für Verfassungsschutz gefallen lassen:
Ohne zunächst ersichtlichen Grund waren den Großteil des Abends mehrere
Beamte der Behörde im Umfeld des W23 unterwegs, auch uniformierte
Einsatzkräfte besuchten das Fest – beides ein Novum in der rund
zweieinhalbjährigen Geschichte des Kulturvereins. Der Verdacht, dass der
Verfassungsschutz über einen bevorstehenden Angriff informiert war, liegt
also nahe. Die Betreiber_innen wurden über diese Bedrohung allerdings zu
keinem Zeitpunkt informiert.

Der Kulturverein W23 beherbergt seit dem Frühjahr 2006 verschiedene
emanzipatorische Initiativen, darunter eine Bibliothek und ein Archiv über
soziale Bewegungen, auch finden regelmäßig Vorträge und Lesungen zu einer
breiten Palette von Themen statt. So gab es etwa erst am vergangenen
Dienstag eine Buchpräsentation zum Thema „Frauen 1938. Verfolgte –
Widerständige – MitläuferInnen“. Vor kurzem fand auch ein Teil der
„queer-feministischen Tage“ in den Räumlichkeiten des Verein statt, zum
Bogen der Aktivitäten im W23 gehören außerdem Computer-Workshops.

Kulturverein W23
w23 at strg.at


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