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„Closed but open“

© Stadtbibliothek Dornbirn

Kaum war der Betrieb in der neuen Bibliothek angelaufen, kam der erste Lockdown. Ulrike Unterthurner leitet die Stadtbibliothek Dornbirn und erzählt vom Bibliotheksalltag in der Ausnahmesituation.

Sie haben eine neue Bibliothek eröffnet – dann kam der Lockdown. Wie hat das Ihre Startphase geprägt?

Unser Programm war auf Kommunikation vor Ort, Aufenthaltsqualität und Veranstaltungen ausgerichtet. Der Betrieb ist nach der Eröffnung im Jänner 2020 wunderbar angelaufen, im März kam der erste Lockdown. Unser Glück war, dass wir in unserem Konzept festgeschrieben hatten, dass wir ein analog-digitaler Ort sind – wir haben daher bereits im Vorfeld das digitale Angebot immer mitgedacht und geplant.

Wie haben Sie die Zeit des ersten Lockdowns erlebt und genutzt?

Der Lockdown war für uns als Team eine gute, intensive Zeit – kreativ und kommunikativ. Nach dem ersten Ansturm durch das Publikum in den Eröffnungswochen haben wir den Lockdown dazu genutzt, um unsere digitalen und mobilen Angebote zu starten. Es gibt bei uns Mitarbeiterinnen, die keinen Monat Normalbetrieb erlebt haben, weil sie neu eingestiegen sind. Sie hatten eine Woche Publikumsdienst – dann haben sie sich an Projekte wie den Bücher-Lieferservice oder das „Digitale Lesezimmer“ gemacht. Für die Kommunikation nach außen haben wir in dieser Zeit unsere Social-Media-Kanäle und die Website gepflegt. Wir sind von Hügeln umgeben und für den Bücher-Lieferservice haben sich Kolleginnen mit dem Mountainbike in die Berge begeben, um Büchertaschen abzugeben. Wir haben tolle Rückmeldungen und noch nie so viele Schokolade und Obstkörbe bekommen.

(c) Stadtbibliothek Dornbirn

Welche weiteren Angebote konnten Sie während der Lockdowns machen?

Wir hatten nie wirklich geschlossen, sondern waren während der ganzen Zeit für die Leserinnen und Leser da, das haben wir unter dem Motto „Closed but open“ kommuniziert. Um Kontakt zu halten, haben wir auch Leserinnen und Leser, von denen wir wussten, dass sie allein zu Hause sind, angerufen und nachgefragt, was sie von uns brauchen. Mit den verschiedenen Literaturgruppen waren wir im stetigen E-Mail- oder telefonischen Austausch, Veranstaltungen wie das ansonsten wöchentlich stattfindende „Digi Café“, wo Fragen zu digitalen Medien beantwortet werden, haben wir telefonisch oder virtuell abgewickelt. Wir haben unsere digitale Bibliothek ausgebaut und promotet und dort noch nie so viele Zugriffe gehabt. Zu Öffnungszeiten waren wir immer telefonisch erreichbar. In der Phase, als wieder Veranstaltungen möglich waren, haben wir auch welche durchgeführt – kleinteilig und in einem sicheren Rahmen.

Haben Sie in diesen Phasen vor Ort oder im Homeoffice gearbeitet?

Ich habe mich im Vorfeld der Bibliotheksplanung viel mit Arbeitskonzepten auseinandergesetzt und damit, wie sich Menschen am Arbeitsplatz wohlfühlen. Darum habe ich die Idee eines Großraumbüros von Vornherein weggewischt. Bei uns hat jeder Anrecht auf einen gut gestalteten Arbeitsplatz mit PC und wir haben in diesen Phasen maximal Zweierbelegung in den Büros. Durch die räumlichen Gegebenheiten konnten sich die Leute aussuchen, ob sie in der Bibliothek oder im Homeoffice arbeiten. Das ist ein Privileg.

Die Corona-Krise betrifft die private Lebenswelt ebenso wie die Arbeitswelt. Wie gehen Sie im Team mit der schwierigen Situation um?

Wir sind ein kommunikatives Team. Ich bin überzeugt, dass persönliche Befindlichkeiten in den Arbeitsalltag hineinspielen, ob wir wollen oder nicht. Wir nehmen das auf und gehen vertrauensvoll damit um. Bei den Teamsitzungen haben wir zum Beispiel immer gefragt, wie es den Einzelnen mit der Corona-Situation geht. Ich nehme mir einmal im Monat für alle im Team jeweils eine Stunde Zeit, um zu besprechen, wie ich sie unterstützen kann und welche neuen Projekte anstehen. In der ersten Phase habe ich mit allen einmal am Tag telefoniert. Bei uns hat jede Person viel Verantwortung, übernimmt diese gerne und bekommt regelmäßig Feedback. Es ist immer jemand zum Reden da – das ist in einer solchen Krisensituation das Wesentliche, davon bin ich überzeugt.

Was waren bisher die größten Herausforderungen in der veränderten Arbeitssituation?

Wir vermissen den persönlichen, direkten Kontakt mit den Leserinnen und Lesern. Wir wissen, dass das aktuell nicht möglich ist und machen es auf andere Weise. Ebenso vermissen wir die gemeinsamen Mittagessen im Team, die gemeinsamen Pausen. Herausfordernd ist auch, fokussiert zu bleiben und sich nicht von der Stimmung rundherum irritieren zu lassen. Uns interessiert nicht, was alles verboten ist, sondern was möglich ist. In der Bibliothek haben wir trotz allem Gestaltungsspielraum und können steuern, was wir aus der Situation machen.

Welche Veränderungen werden Sie nach der Pandemie beibehalten, welche hinter sich lassen?

Einen Abholservice und den Bücher-Lieferservice halten wir aufrecht, ebenso das virtuelle Digi-Café, das Planen von kleinteiligen Veranstaltungen und die digitalen Angebote. Die Verwaltungsangelegenheiten wie das Schreiben von schönen Berichten oder das Absitzen von endlosen Besprechungen werde ich gerne hinter mir lassen und diese Zeit lieber in direkten Kontakt mit den Leserinnen und Lesern investieren.

Ulrike Unterthurner ist Leiterin der Stadtbibliothek Dornbirn.  

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