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Leseprobe aus GötterRatte Szenen einer Ehe....
Osman Engin zum Thema "Fragen":
Ich hasse es, wenn Eminanim mich ständig
fragt: "Osman, an was denkst du gerade?" "Keine Ahnung,
nichts!" "Lüg doch nicht! Jeder Mensch denkt immer an
irgendwas!"
"Ich aber nicht!" wirklich
"Jetzt sag schon!"
"Da ist nichts! Ich bin nicht Einstein! Ich denke an nichts Wichtiges!"
"Ich spüre genau, wenn du mir etwas verheimlichst",
murmelt sie dann immer und geht beleidigt und eingeschnappt in
die Küche. Wenn ich beim nächsten Mal ein paar Sekunden
innehielt, um mir was Bedeutungsvolles und Wichtiges
auszudenken, dann drehte sie sich gleich gekränkt um:
"Du willst mich doch belügen! Sonst müsstest du nicht
nachdenken! Hat sich schon erledigt, interessiert mich nicht
mehr, was du sagst!"
Und wenn ich mal durch jahrelange Erfahrung auf so eine
Frage gut vorbereitet war und mir vorher was richtig Tolles
ausgedacht hatte, dann schimpfte sie erst recht:
"Das hast du dir doch vorher zurechtgelegt. Ich kenne
dich doch, du Schuft!"
Ein paarmal habe ich versucht, den Spieß umzudrehen,
und fragte sie aus Rache in einem möglichst unpassenden
Augenblick:
"Eminanim, an was denkst du jetzt in dieser Sekunde?"
ich wollte dass sie am eigenen Leib erfährt, was für eine Folter
diese nervige Ausfragerei ist. Aber sie ließ sich überhaupt
nicht schockieren und plapperte wie ein Wasserfall zwei volle
Stunden lang. Jeden Schwachsinn, der ihr gerade durch den Kopf
ging, musste ich mir anhören.
"Stop, Eminanim, das reicht fürs Erste! Die Frage war, was du in diesem
Moment dachtest. Nicht das gesamte Jahr!"
.... und ihrer Auflösung:
Osman Engin und seine getrennte Götter-Gattin beim
Krisengespräch mit der Psychologin Frau Doktor
Siegmunde Freudlos-Nietschekenner in der Wohnung der
Hausfreundin Erkek Fatma:
"Glauben Sie mir Herr Engin, ich kann Ihre Situation
sehr gut verstehen. Alle Beziehungen laufen mehr oder weniger
nach demselben Muster ab. Ganz am Anfang einer Beziehung, wenn
es ein bisschen kriselt und alles nicht mehr so hundertprozentig
stimmt, dann sagen sich die Paare:
Ach, lass uns heiraten, dann wird's bestimmt besser.
Dann heiratet man mit einem Riesen-Tralala. Danach
lassen sie sich richtig gehen und es läuft noch schlechter, dann
sagen sie:
Komm, lass uns ein Kind machen, das gibt unserer
Beziehung den richtigen Kick!
Die hoffen, die mit der Zeit entstandene Leere mit dem
Kind füllen zu können. Aber in der Regel wird es mit dem Kind
nicht viel besser, eher umgekehrt. Wegen der Erziehung des
Kindes streitet man sich noch mehr als zuvor. Danach sagen sie
sich:
Komm, lass uns noch ein paar Kinder machen, vielleicht
wird's dadurch besser.
Aber stattdessen werden die Spannungen nur noch mehr.
All diese Paare sehen natürlich, dass ihre Beziehung alles
andere als glücklich und harmonisch verläuft. Aber sie haben
nicht die Courage und das Selbstbewusstsein, sich in Würde zu
trennen. Viele widmen sich dann, genau wie Sie, ganz ihrer
Arbeit und versuchen, das Private völlig auszublenden. Das
entfremdet die Partner logischerweise noch mehr voneinander.
Deswegen beschließen die Leute in so einer Situation:
Lass uns mal ein Haus bauen, das wird uns dann wieder
näher zusammenrücken lassen!
Wegen der Schulden und dem Handwerksstress müssen sie
dann rein körperlich wirklich zusammenrücken. Aber weil sie sich
nicht mehr riechen können wird die Situation dann völlig
unerträglich. Und erst danach wird sich mit einer großen
Schlammschlacht geschieden."
Auf diese lange Rede der Psychologin Frau Doktor
Siegmunde Freudlos-Nietschekenner fällt Osman Engin beim besten
Willen keine Antwort ein. Genau genommen hat er nicht mal
richtig kapiert, was ihm die Frau damit sagen will. Deswegen
kommt er zu dem Schluss, dass es wohl ein Scherz von ihr war.
"Ha ha ha, nicht schlecht", grinst er. "Uns beide
können Sie ja mit der Geschichte nicht gemeint haben. Wir haben
kein Haus gebaut, wir wohnen immer noch zur Miete. Stattdessen
haben wir gleich einen ganzen Schwung Kinder in die Welt
gesetzt, das ist wesentlich billiger und macht mehr Spaß. Leider
nur am Anfang."
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Dieselbe Frau Doktor zum politischen Engagement der Männer:
"Herr Engin, ich wollte nur auf das sogenannte
politische Engagement der Männer etwas näher eingehen. Im Grunde
genommen ist das nichts anderes als deren Hordenkriege beim
vollkommen idiotischen Fußballspiel. In der Politik gibt es
genauso Mannschaften und Fanclubs wie beim Fußball. die völlig
Untalentierten und die Versager gründen Fanclubs oder werden
Kassenwart beim Ortsverein der SPD oder der CDU. Die besonders
Gerissenen ,Skrupellosen und Brutalen schaffen es bis zum
Parteivorsitzenden oder bis zum Trainer und Vereinspräsidenten.
Beide Horden geben ihren Gruppierungen dämliche Namen wie 'SC
Union Berlin-Ost' oder 'CSU München-Süd'. Und danach bei den
Meisterschaften beziehungsweise Wahlen wird getrickst, gespuckt,
getreten, gedopt, gekokst und bestochen, was das Zeug hält.
Der einzige Unterschied ist, dass der eine Haufen kurze Hosen
anhat und der andere Krawatte dun Kragen. die Anhänger der einen
Partei beschimpfen die Fans der anderen Clubs, und mit großem
ekelerregenden Gejohle ziehen sie dann von Stadion zu Stadion,
von Wahlkampf zu Wahlkampf. Überall werden die Gefühle der
Massen durch Alkohol und dumme Sprüche noch mehr hoch geputscht.
Dass alle Generalsekretäre und Trainer Kokser sind, kann doch
kein Zufall sein!"
"Aber Frau Doktor, unsere Welt wird doch von
Politikern regiert!"
"Glauben sie allen Erstes, dass unsere Welt von diesen
mickrigen und selbstverliebten Betrügern regiert wir? Das weiß
doch heutzutage jedes Kind, dass in Wirklichkeit die Banken die
Fäden ziehen." .....
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