Eine Hilfe des BVÖ zur selbständigen Standortbestimmung
Die Problematik von bibliothekarischen Leistungsvergleichen
Leistungsvergleiche sind in jenen Bereichen exakt durchführbar, wo Aufwand und Ziele klar definiert und quantitativ messbar sind. Die Methoden kommen meist aus dem privatwirtschaftlichen Bereich, wo Erfolg einfach am Gewinn gemessen wird. Der kulturelle und gesellschaftliche Nutzen einer Öffentlichen Bücherei ist schwerer quantifizierbar. Das ist auch die Schwäche der traditionellen Bibliotheksstatistik: sie erhebt rein quantitative Werte, also: Benutzerzahl, Medienzahl, Entlehnungen, Computerarbeitsplätze, Veranstaltungszahl, Internet-Stunden an Benutzer-PC's - über die Qualität der Beratung, der Vermittlung von Fertigkeiten und Informationen, die Förderung der Lesefähigkeit, der lokalen Kommunikation und den Ausgleich sozialer Defizite sagen diese Zahlen wenig aus.
Bibliothekar/innen können nicht einfach Methoden übernehmen, die den Aufwand mit dem finanziellen Gewinn vergleichen - das ist einfach, aber auf den kulturellen Bereich nicht sinnvoll übertragbar, obwohl es immer wieder gemacht wird. Wie kann man also überprüfen, ob die eigene Bücherei effizient ihre Ziele umsetzt?
Die Kennzahlentabellen des BVÖ aus der Büchereistatistik 2010
Die Öffentlichen Bibliotheken Österreichs präsentieren ihre Leistungen durch jährliche, standardisierte statistische Angaben, die dann vom Büchereiverband Österreichs (BVÖ) zur 'Statistik Öffentlicher Bibliotheken Österreichs‘ zusammengefasst und veröffentlicht werden.
Aus der Statistik Öffentlicher Bibliotheken Österreichs ist zum Beispiel ersichtlich, wie viele Nutzer/innen Öffentliche Büchereien in Anspruch nehmen, wie viele Medien ausgeliehen werden und wie viele Bibliothekar/innen dieses Angebot erstellen und die Benutzer betreuen.
Außerdem ist die längerfristige Entwicklung des Angebots und der Nutzung Öffentlicher Bibliotheken in Österreich durch diese Statistik sehr gut dokumentiert. Für Vergleiche von Öffentlichen Bibliotheken untereinander eignen sich die blanken Daten weniger gut, wie daraus errechnete Kennzahlen - z. B. Medien pro Einwohner u.v.a.
Aus der umfassenden Datengrundlage aller österreichischen Öffentlichen Bibliotheken errechnete Kennzahlentabellen sollen deshalb jeder Bibliotheken die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Leistungen mit den Leistungsdaten aller Büchereien ähnlicher Ortsgröße zu vergleichen, um daraus Schlüsse für Schwerpunktsetzungen in ihrer weitere Arbeit zu ziehen, Argumente für Verhandlungen mit den Trägern abzuleiten und Daten für die Öffentlichkeitsarbeit zu gewinnen. Die Ideen zu diesem Modell stammen von den Indikatorentabellen des leider liquidierten DBI (vgl. Wimmer, Ulla: Das DBS-Indikatorenraster. In: Bibliotheksdienst 33. Jg., H.10, 1639 ff.).
Vorzüge des Verfahrens
• Die Nutzer haben keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand • Die Gesamtheit der Büchereien trägt anonym zu den Daten der Tabellen bei • Die Interpretation liegt bei der Bibliothek, dort kennt man die Bedingungen, die zu dem ermittelten Resultat führen, am besten! • Es wird nur eine Hälfte des Verfahrens publiziert: die ”Messlatte” • Nur wer will, errechnet seine Indikatoren und vergleicht sie mit den Tabellen, kein Druck eines öffentlichen Rankings • Die aktive Rolle liegt bei der Bibliothek: sie rechnet, interpretiert, entscheidet • Der direkte Vergleich zwischen namentlich genannten Bibliotheken findet nicht statt • Die Tabellen geben keine Standards wieder, sondern die nationale Situation
Die Kennzahlentabellen 2010 sind für folgende Ortsgrößen verfügbar:
Orte bis 1.000 Einwohner: OrteBis1000Ew.xls Orte zwischen 1.000 und 3.000 Einwohner: Orte1000bis3000Ew.xls Orte zwischen 3.000 und 5.000 Einwohner: Orte3000bis5000Ew.xls Orte zwischen 5.000 und 10.000 Einwohner: Orte5000bis10000Ew.xls Orte zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner: Orte10000bis20000Ew.xls Orte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner: Orte20000bis50000Ew.xls Orte mit mehr als 50.000 Einwohner: OrteMehrAls50000Ew.xls
Dazu gibt es eine Rechentabelle, mit deren Hilfe aus der eigenen Jahresstatistik die Kennzahlen für den Vergleich errechnet werden können: Rechenblatt10.xls
Durch Eingabe Ihrer Statistikdaten in das Rechenblatt werden folgende Kennzahlen vom Programm errechnet, die Sie mit den Kennzahlen aller Büchereien Ihrer Ortsgröße vergleichen können:
• Kennzahlen für das Angebot: Medien pro Einwohner, Medien pro Benutzer/in, Erneuerungsquote des Medienbestandes in Prozent, Anzahl der Veranstaltungen, Öffnungsstunden im Jahr, Büchereifläche pro 1000 Einwohner, Internet-Arbeitsplätze für Benutzer. • Kennzahlen für die Nutzung: Anteil der Benutzer an der Bevölkerung in Prozent, Anzahl der Besuche pro Einwohner pro Jahr, Anzahl der Besucher pro Öffnungsstunde, Umsatz der Medien, Ausleihen pro Einwohner. • Kennzahlen für die Personalsituation: Personalstellen (umgerechnet auf 40 Stunden-Stellen) pro 1000 Einwohner, Öffnungsstunden pro 40 Stunden-Stelle (Teilzeiten werden dazu in Bruchteile ganzer Stellen umgerechnet), Ausleihen im Jahr pro 40 Stunden-Stelle, Anteil der Zeit für Aus- und Weiterbildung an der Arbeitszeit in Prozent. • Kennzahlen zur Finanzsituation: Ausgaben pro Einwohner in Euro, Ausgaben für den Medienankauf pro Benutzer/in in Euro.
Beispiel - Bücherei in einem Ort mit ca. 11.000 Einwohnern
1. Sie laden sich von unserer Homepage die Tabelle “Orte10000bis20000Ew.xls” und die Tabelle “Rechenblatt10.xls” herunter.
2. Sie nehmen Ihr Jahresstatistikblatt 2010 zur Hand, öffnen die Tabelle “Rechenblatt10.xls” mit Excel und tragen in die linke Spalte “Eingaben - eigene Bücherei - Wert” Ihre Statistikdaten ein: Bitte ohne Tausenderpunkt! Dezimaltrennzeichen = "," nicht Punkt Keine sonstigen Formatierungen wie % etc., die werden vom Programm automatisch nach der Eingabe gesetzt. Sofort erscheinen in der rechten Spalte “Kennzahlen - Wert” die daraus errechneten Kennzahlen: z.B.:

3. Laden Sie die Tabelle Ihrer Ortsgröße, hier also “Orte10000bis20000Ew.xls” und fügen Sie die errechneten Kennzahlen in jene weißen Felder ein, die Ihrem errechneten Kennzahlenwert am nächsten liegen oder kennzeichnen jenen Wert, der direkt zu Ihrem Ergebnis passt - bitte ohne Tausenderpunkte, Dezimaltrennzeichen = "," nicht Punkt, keine sonstigen Formatierungen wie % etc., die werden vom Programm automatisch nach der Eingabe gesetzt. Dann ergibt sich im Beispiel folgendes Bild:

Für Größere Ansicht bitte hier klicken.
Sie sehen daraus, wie Ihre Kennzahlen im Feld der von 5%, 25%, 50%, 75% und 95% erreichten Werte aller Büchereien gleicher Ortsgröße liegen und können eine Interpretation versuchen. Je weiter links die eigenen Ergebnisse in der Tabelle erscheinen, desto besser sind sie im Vergleich zur Gesamtgruppe. Die 50% Spalte enthält die österreichischen Durchschnittswerte für Ihre Ortsgröße.
Wenn Sie die eigene Bücherei im Feld aller anderen betrachten, ist mit Ihrem Insider-Wissen über die eigene Bücherei sicher eine interessante Interpretation möglich, welche der Argumentation gegenüber dem Träger ebenso nützen kann, wie internen Überlegungen zur Weiterentwicklung Ihrer Arbeit. Mit diesen Tabellen steht Ihnen ein Instrument zur Leistungsmessung zur Verfügung, das Sie selber verwenden können, um Stärken und Schwächen Ihrer Arbeit zu erkennen. In diesen Kennzahlentabellen steckt eine Menge Arbeit, die Sie sich zunutze machen sollten!
Die Tabellen sind durch die breite Datenbasis, auf der sie beruhen, zuverlässig, weil sich da Besonderheiten ausgleichen, die bei direkten Büchereivergleichen oft das Bild verzerren. Der BVÖ lädt Sie herzlich zu einem Versuch ein – soviel Zeit sollte sein, um einen zusätzlichen Nutzen aus der Arbeit zu ziehen, welche Sie ohnehin in die Erstellung Ihrer eigenen Statistik stecken müssen. |